Dass sich Menschen aus Verzweiflung über ihre Erwerbsarbeit resp. die Arbeitsbedingungen umbringen, kannte ich schon von Hörensagen.
Bei der France Telekom waren es Meldungen in den Meiden zufolge gleich 32 Mitarbeiter - so viele, dass es sich nicht mehr unter den Teppich kehren ließ.
Zitat:
Erstmals Ermittlungsverfahren zu France-Télécom-Selbstmord
(AFP)
Paris — In Frankreich hat die Justiz erstmals im Zusammenhang mit der Selbstmordserie bei France Télécom ein Ermittlungsverfahren wegen "fahrlässiger Tötung" eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft im ostfranzösischen Besançon bestätigte am Mittwoch ein Verfahren gegen den Telefonkonzern und einen ehemaligen Manager der Firmenniederlassung für die Regionen Bourgogne und Franche-Comté. Dabei geht es um den Selbstmord eines Technikers im August 2009.
Seit 2008 haben sich mehr als 40 Mitarbeiter von France Télécom das Leben genommen. Die Gewerkschaften machen dafür den rasanten Konzernumbau mitverantwortlich, durch den viele Beschäftigte versetzt und Arbeitsabläufe verändert würden.(...)
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der vollständige Artikel auf
http://www.google.com/hostednews/afp...6fJGI9u2aZ0DEQ
IMHO sind Dinge wie bei der France Telekom nur die Spitze eines Eisbergs. Ursachen für ein burn out-Syndrom, dass zu Arbeitsunfähigkeit oder gar Selbstmord führen kann:
1. Schlechte Organisation
Dinge werden einfach zu komplex, zu kompliziert und damit störanfällig.
Aus der Programmierpraxis kannte ich das Prinzip des "Sicherungskasten": Wie bei den Sicherungen im Haushalt sollte eine Projekt - Web-Anwendung oder auch Anderes - so organisiert sein, dass seine Komponenten möglichst voneinander unabhängig sind.
Bei den Sicherungen im Haus ist das so: wenn die Sicherung für Raum 1 durchbrennt, hat zwar Raum 1 keinen Strom mehr, aber in den anderen Räumen funktioniert alles. Idealerweise kann man das Problem in Raum 1 beheben, ohne den Rest der Wohnung mit hinein zu ziehen.
Soweit die Theorie
In der Praxis scheinen immer mehr Sicherungen durchzubrennen ...
2. Reizüberflutung
"Sind Sie belastbar?" Wer hat diesen Spruch nicht schon im Vorstellungsgespräch gehört und gelogen, wenn er oder sie den Job haben wollte. Denn die Belastung geht oft über das hinaus, was Menschen mit Fug und Recht ertragen können. Die eierlegende Wollmilchsau, die auch noch fliegen und tauchen kann, ist gefragt.
Immer mehr Reize dringen auf einen ein, man soll sich auf x Situationen einstellen und als kleiner Dödel im Job den "Sofortumschalter" geben.
3. Sinnlosigkeit
Außer "über die Runden kommen" mag beim Arbeiten kein Sinn mehr vorhanden sein. Da gibt es den Begriff der "inneren Kündigung" - Leute machen ihren Job nur noch, weil sie "müssen", nicht mehr, weil sie "wollen".
4. Existenzängste
Die Angst, den Job zu verlieren.
Die Angst, die Familie nicht mehr ernähren zu können.
Die Angst, aus die Wohnung nicht mehr halten zu können.
5. Psychoterror als Herrschaftspraxis
Mobbing ist seit langem Thema und seit langem Praxis der "lieben Kollegen" und so mancher Unternehmensführung.
Doch man muss nicht gleich Selbstmord begehen
6. Arbeit lohnt sich NICHT
Die Partei, die mit der Parole angetreten ist, dass sich "Leistung" wieder lohnen muss, ist auch die Partei, die meines Wissens gegen einen Mindeslohn ist. Ein Beleg dafür, dass gerade die Leute, die so tun als ob sie das Arbeiten erfunden hätten, auch oft diejenigen sind, welche die Menschen zu der Einsicht treiben: Wer unter unmenschlichen Bedingungen noch arbeitet, ist selbst schuld.
Im Falle der BRD hat IMHO auch das dazu geführt, dass von 80 Millionen Einwohnern 20 Millionen Rentner sind. Was ja nicht heißt, dass sie alle nichts tun - viele Rentner betreuen Angehörige, passen auf Enkel auf oder gehen ehrenamtlichen Tätigkeiten nach.
Jemand, der in Deutschland so terrorisiert wird, wie die Beschäftigten bei France Telekom, hat noch immer die Möglichkeit, anstatt sich umzubringen, seinen Rentenantrag wegen Erwerbsminderung bei der Deutschen Rentenversicherung einzureichen. Das mag zwar mit Rechtsstreit verbunden sein und auch im Erfolgsfall nur zu einen bescheidenen Einkommen führen, aber besser als "Friedhof" als neue Adresse ist es allemal.
Und das System bekommt, was es verdient
