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Alt 28.04.2009, 08:30   #21
Beverly
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Beitrag Sieg und Scheitern der Revolution

Die Revolutionen von 1776 in Amerika und 1789 werden in der bürgerlichen Geschichtsschreibung gern als Erfolg und Beginn einer neuen Ära - der "Moderne" - verklärt. Das ihnen folgende Leid - Sklaverei in den USA, Kriege in Europa - und Korruption, Machtgier und Größenwahn ihrer Protagonisten werden bagatellisiert. Unerfreuliche Begleiterscheinungen einer an sich guten Sache, bei der die Errungenschaften die Nachteile aufgewogen haben. Allerdings hatten die Zeitzeugen ein differenzierteres und kritischeres Bild als bürgerliche oder auch linke Apologeten späterer Epochen. So soll Tom Paine die Revolution von 1776 später enttäuscht als "Putsch" abgewertet haben. Bei der Französischen Revolution entging er dann nur durch einen Zufall der Guillotine. So wie Stalin 130 Jahre später viele Bolschewiki liquidieren ließ, landeten damals auch viele Menschen unter der Guillotine, die doch an die Ideale der Aufklärung glaubten.

Warum fressen Revolutionen stets ihre eigenen Kinder?

Wie kritisch schon die Zeitgenossen das sahen, zeigt das Beispiel des Komponisten Ludwig van Beethoven (1770-1827). Über seine 3. Sinfonie steht auf Wikipedia:

Zitat:
Beethoven war als junger Mann begeisterter Anhänger der Französischen Revolution (1789–1799) und später ein Bewunderer Napoleons, der die Freiheitsideen durch Gesetzgebung und Kriege in ganz Europa verbreitete. Napoleon wurde damals häufig mit dem griechischen Halbgott Prometheus verglichen, der den Göttern das Feuer (also den Verstand) stahl, um die unvollkommenen Menschen damit zu vollenden und zu befreien - er konnte also als ein Held der Aufklärung gelten.

Frankreich versank bald nach der Revolution in Gewalt und Terror, und viele Intellektuelle suchten eine Erklärung für das Scheitern der anfangs so vielversprechenden Revolution. Laut Schiller waren die Menschen nicht reif für den Gebrauch ihrer Freiheit, weil die Erziehung der Aufklärungszeit einseitig den Verstand geschult hatte, der aber ohne den Gebrauch des Gefühls nicht richtig eingesetzt wurde. In seinem Programm zur „Ästhetischen Erziehung des Menschen“ (1795) forderte Schiller eine Schulbildung in Wissenschaft und Künsten für die gesamte Bevölkerung als Voraussetzung für die Schaffung einer besseren Gesellschaft nach einer erfolgreichen Revolution.

(...)

Diesen Gedankengang stellte Beethoven im Jahr 1802 allegorisch verschlüsselt in seiner Ballettmusik „Die Geschöpfe des Prometheus“ musikalisch dar, indem er die stumpfsinnigen Menschen erst durch künstlerische Erziehung bei den Göttern und Musen des antiken Götterbergs Parnass ihre volle Menschlichkeit erlangen lässt.

Für das optimistische Finale benutzt Beethoven einen simplen, selbst komponierten „Kontratanz“ aus der vergangenen Karnevalssaison, um zu betonen, dass seiner Meinung nach die Zukunft nicht den Göttern und Königen gehört, sondern dem aufstrebenden Bürgertum.

In der für ihn persönlich sehr schwierigen Zeit nach 1800 suchte Beethoven musikalisch und beruflich verzweifelt neue Wege; so plante er offenbar, von Wien in das fortschrittliche Paris überzusiedeln und als Präsentationsstück seine 3. Sinfonie Napoleon zu widmen; er nannte sie Sinfonia grande, intitolata Bonaparte. Daher ließ er sich in der großen Anlage und in vielen Details der Sinfonie vom Handlungsverlauf des Prometheus-Balletts leiten, was man am deutlichsten daran erkennt, dass im Finale mehrere Variationen über den Prometheus-Kontretanz erklingen.

Aus Enttäuschung über Napoleon, als dieser sich 1804 selbst zum Kaiser krönte (...) nahm er die Widmung an Napoleon mit den Worten 'Ist der auch nicht anders, wie ein gewöhnlicher Mensch! Nun wird er auch alle Menschenrechte mit Füßen treten, nur seinem Ehrgeize frönen; er wird sich nun höher, wie alle Anderen stellen, ein Tyrann werden!' zurück, verarbeitete aber in dem Werk die in ihm herrschende Spannung zwischen französischen Revolutionsidealen (indem er französische Elemente verwendete) und deutschem Patriotismus (Anklänge an Bachs Polyphonie sind deutlich). 1806 betitelte er seine 3. Sinfonie als „Sinfonie, komponiert um das Andenken eines großen Mannes zu feiern“. Sie trug die Überschrift „Heroische Sinfonie“, auch Eroica genannt.

Beethoven war nach der Krönung Napoleons zum Kaiser zwar schwer enttäuscht und sah die Ideale der Französischen Revolution verraten, doch drückt sich in der Tatsache, dass er seine Symphonie musikalisch unverändert ließ, seine unbeirrbare Hoffnung auf eine Zukunft aus, in welcher die Ideale „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ verwirklicht würden.
http://de.wikipedia.org/wiki/3._Sinfonie_(Beethoven)

Kritik an und Enttäuschung über Revolutionen sind so alt wie diese selbst. Sie haben nichts mit dieser oder jener Ideologie zu tun - bürgerlich oder kommunistisch, säkular oder islamisch - sondern beruhen auf Grundmustern, die allen Revolutionen von 1776 bis 1989 gemeinsam sind.
So liegt es nicht am "Kommunismus" im Sinne einer Blaupause, dass die Revolutionen von 1917 in Russland und 1948 in China in Tyrannei und Massenmord endeten. Napoleon war kein Kommunist, aber er agierte nicht anders als Lenin und Stalin in der SU und Mao in Rotchina. Alle spielten sich als die großen Modernisierer auf und ließen dafür Millionen Menschen sterben.
Nur schimpft das bürgerliche Lager gern auf die Roten im 20. Jahrhundert und vergisst, dass seine eigenen Revolutionen davor ebenso schlimm waren.

Da ist immer ein System, das fertig hat und jeden Rückhalt verloren hat. Da sind immer Idealisten, die aus ehrlichen Motiven dieses System bekämpfen. Da ist eine Krise, wegen der das alte System seine Machtbasis verliert. Da mögen Unterstützer aus dem Ausland beim Umsturz helfen oder die Revolution mag selbst "exportiert" werden. Da sind aber auch immer die Machtkämpfe nach dem Umsturz, der Austausch alter Tyrannei gegen neue. Nur zu oft ist es nach dem Umsturz schlimmer als vorher, weil die neuen Tyrannen taten- und blutdurstiger sind als die, die sie gestürzt haben. Zum bösen Ende fühlen sich viele total verarscht. Und die Enttäuschung ist so alt wie die Moderne.
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Alt 28.04.2009, 12:29   #22
Iphigenie
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Hi Beverly,

Du schreibst:

Zitat:
Da ist immer ein System, das fertig hat und jeden Rückhalt verloren hat. Da sind immer Idealisten, die aus ehrlichen Motiven dieses System bekämpfen. Da ist eine Krise, wegen der das alte System seine Machtbasis verliert. Da mögen Unterstützer aus dem Ausland beim Umsturz helfen oder die Revolution mag selbst "exportiert" werden. Da sind aber auch immer die Machtkämpfe nach dem Umsturz, der Austausch alter Tyrannei gegen neue. Nur zu oft ist es nach dem Umsturz schlimmer als vorher, weil die neuen Tyrannen taten- und blutdurstiger sind als die, die sie gestürzt haben. Zum bösen Ende fühlen sich viele total verarscht. Und die Enttäuschung ist so alt wie die Moderne.
Irgendwie bewundere ich die ungeheuere Energie, die Du immer
wieder und wieder aufwendest, um zu guter Letzt zu diesem
Ergebnis zu gelangen.

Dabei ist alles gaaaaaaaaaaaanz einfach:

1.
Jede gutgemeinte Tat kann in eine böse umgewandelt werden und
jede böse Tat kann zu einer guten umgewandelt werden (frei nach
dem Motto: "Hätte es Hiroshima und Nagasaki nicht gegeben, wäre
schon längst ein neuer Weltkrieg ausgebrochen")

2. Es gibt keinen absolut bösen und keinen absolut guten
Menschen. Selbst ein Psyschopath tut Böses nur, weil er sich
damit (subjetiv!) Gutes tut

3. Die "Logik", der sich (in dieser kapitalistischen Welt) kein Mensch
entziehen kann lautet: "Wenn ich einen Menschen morde, bin ich
ein guter Mensch, weil ich damit verhindere, daß dieser Mensch
10....20...100...oder gar noch mehr Menschen morden kann (= die
Logik des Krieges).

grüße
Iphi

....ich weiß nicht, ob das der Zukunft weiterhilft, unablässig zu
beschreiben, welch ungeheuer Böses die Vergangenheit geboren hat....
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Alt 28.04.2009, 12:58   #23
Beverly
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Beiträge: 1.006
  
Lächeln die ersten Wendehälse

Der Begriff "Wendehälse" kam nach dem auch als "Wende" bezeichnetem Umsturz von 1989 in der DDR auf. Er war auf Kader des SED-Regimes gemünzt, die vorher stramme Sozialisten und Linke und nachher stramme Kapitalisten und Bürgerliche waren.
So etwas hat es auch schon 1945 gegeben: plötzlich waren die Nazi-Kader und überzeugten Nationalsozialisten nicht mehr da, dafür hatte man in der BRD wieder überzeugte Demokraten und in der DDR gute Sozialisten.
Wobei die Operation Nationalsozialist => Demokrat von 1945 die Umkehrung des Prozesses Demokrat => Nationalsozialist von 1933 ist. '33 hießen die bei den "alten Kämpfern" der Nazis spöttisch die "Märzgefallenen".

Wie bei anderen Dingen auch war hier die Zeit der französischen Revolution und Napoleons wegweisend. Als erste moderne Wendehälse können Joseph Fouché (1759-1820) und Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord (1754-1838) angesehen werden.
Fouché gehörte in der Zeit der Französischen Revolution zunächst zu den ganz Harten. Ein Biograph bezeichnet ihn verächtlich als den "Kartätscher von Lyon", weil er eine Revolte der Stadt Lyon gegen die Revolutionsführung blutig niederschlagen ließ. Aber im Gegensatz zu anderen Jakobinern wusste Fouché, wann es Zeit für einen Schlenker in Ideologie und politischer Praxis ist. Alldiweil die Robespierres selbst unter der Guillotine endente, war Fouché unter Napoleon Polizeimister.
Man kann in Fouché den Prototyp jener Karriesten und Opportunisten sehen, die in der Französischen Revolution und auch dem Regime Napoleons nur eine Gelegenheit zum eigenen Aufstieg sahen und auch nach dem Zusammenbruch von Napoleons Herrschaft ihre Schäfchen im Trockenen halten wollten. Diese Sorte Leute wurde dadurch begünstigt, dass die Siegermächte anders als beim Zusammenbruch des Nazi-Reiches selbst führende Spießgesellen Napoleons nicht verfolgten.
So konnten sich die Wendehälse bei Napoleons Rückkehr von Elba ein weiteres mal werden:

Zitat:
Die 100 Tage

Noch während Joseph Fouché offiziell den zurückgekehrten König Ludwig XVIII. unterstützte, wurden auch die Umtriebe zur Rückkehr Napoléons von Elba von ihm stillschweigend gefördert. Der nach Paris zurückgekehrte Kaiser brauchte Verbündete, aber viele ehemalige Generale und Minister weigerten sich, seinem Ruf zu folgen. Talleyrand blieb lieber gleich in Wien und Napoléon sah sich zu seiner eigenen Sicherheit genötigt, das Polizeiministerium wiederum Fouché zu übertragen. Dieser begann - wohl auch in der Gewissheit, dass diese Herrschaft nicht lange dauern würde, sofort mit den Liberalen im Innern, mit Ludwig XVIII. in Gent und mit Metternich zu konspirieren, um sich für alle Fälle abzusichern.

Am 23. Juni 1815, nach der erneuten Abdankung Napoléons, von der Kammer zum Vorsitzenden der provisorischen Regierung ernannt, bereitete Fouché die zweite Restauration der Bourbonen vor.
http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_...9#Die_100_Tage

Fouché hat es mit dem Opportunismus aber dann doch übertrieben. Weder Monarchisten noch Republikaner vertrauten ihm und er starb in der Verbannung. Allerdings starb er mit einem beträchtlichem Vermögen und dem unter Napoleon erworbenen Titel des Herzogs von Otranto.

Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Fouch%C3%A9

Der französische Außenminister Talleyrand hat einen weitaus besseren Ruf als Fouché. Schließlich gilt er als derjenige, der auf dem Wiener Kongress 1815 für Frankreich Schadensbegrenzung machte und ihm den Rang einer europäischen Großmacht erhielt. Wobei es vermutlich andere Gründe als schöner Hofstaat und schönes BlaBla waren, welche die Siegermächte davon abhielt, mit Frankreich so umzusprigen wie 1919 im Vertrag von Versailles mit Deutschland.

Mehr über ihn hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Charles...-P%C3%A9rigord

Schon die Zeitgenossen erkannten in ihm den Typ des Opportunisten, wie diese Karikatur zeigt:



Quelle http://nirakatak.files.wordpress.com...hetide0001.jpg

Jeder Kopf der Karikatur steht nach Wikipedia für eine der Rollen, die Talleyrand in sechs verschiedenen Regimen gespielt hat.
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Alt 28.04.2009, 13:07   #24
Beverly
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Zitat:
Zitat von Iphigenie Beitrag anzeigen
Irgendwie bewundere ich die ungeheuere Energie, die Du immer
wieder und wieder aufwendest, um zu guter Letzt zu diesem
Ergebnis zu gelangen.
Hallo Iphigenie,

ich tue das aus zwei Gründen:

1. Ich bin über 40 und das ist das Alter, wo man entweder korrupt oder desillusioniert ist.

2. In meinem Leben wurden viele Ideologien mit der Aufforderung an mich herangetragen: "Versuch es mit uns! Wir sind die einzig Wahren! Wir sind die Besten!" Ich habe sie mir alle angesehen und fand sie entweder schlecht oder für mich nicht passend. Nicht zu vergessen, dass mich die Kader, die mich nicht werben wollten, oft tot oder unter der Brücke sehen wollten.

Zitat:
Zitat von Iphigenie Beitrag anzeigen
Jede gutgemeinte Tat kann in eine böse umgewandelt werden und
jede böse Tat kann zu einer guten umgewandelt werden(...)
Für diese Logik ist die im Strang behandelte Epocher der Aufklärung und der Französischen Revolution das beste Beispiel.

Zitat:
Zitat von Iphigenie Beitrag anzeigen
....ich weiß nicht, ob das der Zukunft weiterhilft, unablässig zu
beschreiben, welch ungeheuer Böses die Vergangenheit geboren hat....
Ich will ganz egoistisch mir selbst und ganz altruistisch anderen Menschen eine Wiederholung der Ereignisse ersparen, die ich aus Geschichtsbüchern kenne oder als Zeitzeugin mit erlebt habe.
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Alt 28.04.2009, 13:15   #25
Iphigenie
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Hi Beverly,

langsam gewinne ich den Eindruck, daß Du der einzige gute
Mensch auf der Welt bist, mit absolut keiner einzigen Leiche
im Keller. Du bist einfach bewunderungswürdig...
Werde dich beim Nobelpreiskomitee für eine Dauer-Sonderauszeichnung
vorschlagen: Der Antiwendehals des Jahres 2010.

grüße
Iphi


PS:
Meine Worte hier bezogen sich auf Deinen Beitrag Nr 23 (Wendehälse). Als ich
diesen Beitarg hier absandte, sah ich, daß Du zwischenzeitlich den Beitrag
Nr.24 geschrieben hast.

Geändert von Iphigenie (28.04.2009 um 13:19 Uhr).
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Alt 28.04.2009, 15:43   #26
Beverly
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Zitat:
Zitat von Iphigenie Beitrag anzeigen
Hi Beverly,

langsam gewinne ich den Eindruck, daß Du der einzige gute
Mensch auf der Welt bist, mit absolut keiner einzigen Leiche
im Keller. Du bist einfach bewunderungswürdig...
Werde dich beim Nobelpreiskomitee für eine Dauer-Sonderauszeichnung
vorschlagen: Der Antiwendehals des Jahres 2010.

grüße
Iphi


PS:
Meine Worte hier bezogen sich auf Deinen Beitrag Nr 23 (Wendehälse). Als ich
diesen Beitarg hier absandte, sah ich, daß Du zwischenzeitlich den Beitrag
Nr.24 geschrieben hast.
Hallo Iphigenie,

wenn du darauf anspielst, dass doch jede und jeder im Laufe des Lebens Ansichten geändert oder gar verworfen hat, so mag das so sein. Wir entwickeln uns halt alle ... oder werden auch nur enttäuscht. Die Entwicklung hat zwei Pole:
1. den materiellen, sozialen, ökonomischen Pol
2. den geistigen und ideologischen Pol

Wenn ich mir die "Wendehälse" ansehe, stelle ich folgendes fest:
1. der materielle Pol ist "immer oben zu sein"
2. der geistige Pol ist mal rechts, mal mittig, mal links, mal sonstwas - er ist überhaupt nicht fest und dient nur dazu, nach oben zu kommen bzw. oben zu bleiben - man hat mit verschiedenen Ideologien Erfolg gehabt

Bei den Anti-Wendehälsen ist
1. der materielle Pol ist nicht oben und vielleicht auch nicht stabil - vergeblichen Versuche zum sozialen Aufstieg, irgendwo in den Mittelschichten mit Angst vor dem Abstieg oder schon unten angekommen
2. der geistige Pol ist auch nicht fest - man hat mit keiner Ideologie Erfolg gehabt

Die Frage ist nur, wo die geistige Entwicklung von Wendehälsen und Anti-Wendehälsen endet. Gibt es da einen Ausweg aus Ideologien, die letztendlich nur alle als Mittel zum Zweck benutzen?
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Alt 30.04.2009, 10:01   #27
Iphigenie
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Zitat:
Zitat von Beverly Beitrag anzeigen

Die Frage ist nur, wo die geistige Entwicklung von Wendehälsen und Anti-Wendehälsen endet. Gibt es da einen Ausweg aus Ideologien, die letztendlich nur alle als Mittel zum Zweck benutzen?
hallo Beverly,

den ersten Teil Deiner Frage verstehe ich nicht recht. Sprichst Du hier
von der geistigen Entwicklung eines jeden Individuums oder von der kollektiv
geistigen Entwicklung sowohl der Wendehälse, als auch der Anti-Wendehälse?

Einen Ausweg aus Ideologien wird es wohl letztlich niemals
geben, weil Ideologien der Klebstoff ist, den das Menschenwesen
benötigt, um Gruppen bilden zu können -und der Mensch ist nun
mal ein Gruppen bildendes Wesen! -

Jeder Mensch sucht last not least nach Gleichge-sinn-ten,
weil er sich unter diesen nicht ganz so einsam fühlt ........in der
Unendlichkeit seines inneren Kosmos.

grüße
Iphi
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Alt 30.04.2009, 12:37   #28
Beverly
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Beiträge: 1.006
  
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Zitat:
Zitat von Iphigenie Beitrag anzeigen
Einen Ausweg aus Ideologien wird es wohl letztlich niemals
geben, weil Ideologien der Klebstoff ist, den das Menschenwesen
benötigt, um Gruppen bilden zu können -und der Mensch ist nun
mal ein Gruppen bildendes Wesen!
Vieles, was deinen Worten zufolge Klebstoff und Bindemittel für menschliche Gesellschaften war, hat sich als Schmiermittel für Unterdrückungsapparate und Sprengstoff, der Gemeinschaften zerstörte, erwiesen.

Das sehe ich auch an der schnellen Abfolge von Ideologien in der Moderne. Die meisten auf einer Ideologie basierenden Systeme bestanden weniger als ein Menschenalter. Weshalb viele Menschen damit rechnen mussten, eine Abfolge von Ideologien zu erleben und zu erleiden. Schon aus dem Kalkül "ich werde länger leben als die Ideologie, die gerade herrscht" ergibt sich doch, dass man die nicht ernst nehmen kann. Als Mittel zum eigenen Fortkommen ja, aber nicht als etwas, was der Gesellschaft Bestand, Ordnung, Sinn und Stabilität gibt.

Geändert von Beverly (01.05.2009 um 08:54 Uhr).
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Alt 01.05.2009, 14:39   #29
georg.forster
Kesselschmied
 
Registriert seit: 16.02.2009
Ort: Zürich CH
Beiträge: 15
  
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Zitat:
Zitat von Beverly Beitrag anzeigen
Nach den Juden waren Homosexuelle eine der von den Nazis verfolgten Gruppen. Doch so wie es Antisemitismus schon vor 1933 gegeben hat, reicht auch die Verfolgung Homosexueller weiter zurück.
Die gesetzliche Verfolgung (widernatürliches Verhalten) gab es auch in der so liberalen Schweiz (Zürich) Das Umdenken ist noch gar nicht so lange her. Die Vermischung vom Paragraph 175 mit den Juden, finde ich hingegen arg gekünstelt. Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Zudem gab es zu Beginn des 20. Jh. Antisemitismus in vielen Ländern, Eugenik und Psychiatrie, sprachen von Unwertem Leben, vor allem auch in Amerika. Bei uns wurde sogar noch anfangs der 70er Jahren Frauen wegen liederlichem Lebenswandel amtl. sterilisiert.

Meine Schwester, drei Jahre älter, hatte auch eine Geschlechtsumwandlung und das sogar noch gesetzlich anerkannt. Es ging lange auch in der Schweiz bis sich die Erkenntnis durchsetzte, dass solch ein Verhalten nicht einfach nur eine Perversion ist, sonder eine natürliche gar nicht seltene Veranlagung. Ich war damals lange in Afrika und traf meine Schwester im Spital. Sie lag im Zimmer, wo man wie üblich Patienten zum Sterben hinlegte. Sie soll sich in der Hotelwäscherei eines vornehmen Hauses die Infektion geholt haben, die damals noch nicht zu behandeln war. Auf gewalttätige Interventionen meiner Mutter haben sie dann die Aerzte mit einer radikalen Hormonbehandlung wieder zurück geholt. Als ich dann vom Ausland endgültig zurück kehrte, war aus meiner Veronika plötzlich ein Frederick* geworden. Sie oder Er, hatte auch vor ihrer Umwandlung ein Kind. Mit dieser Umwandlung hatte ich bis zum ihrem Ableben erhebliche Probleme. Aber nicht etwa wegen der Umwandlung, sondern wegen dem Namen. Für mich blieb sie mein Schwesterchen, das liebe Vroni, das sie immer gewesen war. Und ich verhaspelte mich dauernd, auch in Gesellschaft was uns beiden recht peinlich wurde. Obwohl ich nie Probleme mit Schwulen od. Lesben hatte, bin ich gegen das Outing. Ich will es schlicht nicht wissen, was sie nachts unter ihrer Decke treiben. Ich erzähl ja meine Peinlichkeiten auch nicht. Viele Grüsse aus der Schweiz
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Alt 08.05.2009, 17:38   #30
Cheops
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„Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“ Eine Aussage von Friedrich dem Großen, die mir eine Herzensangelegenheit ist. Nur Nazis nehme ich da grundsätzlich aus, denn die stehen ja für das Gegenteil.
Putzige Anekdote ist da nur, ich habe diese Aussage von einer Webseite kopiert, die in China gesperrt ist.
Gruß an Frau von der Leyen, die sich heimlich die Schlitzaugen wegschminkt.
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