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19.04.2009, 11:56
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#1
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Schriftstellerin
Stammuser
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"Vor Hitler und Stalin" - Verbrechen in der Epoche der Aufklärung
1789 und die Folgen
In unserem gängigen Geschichtsbild wird die Epoche nach 1789 als Zeitalter der "Emanzipation" und des "Fortschritts" gefeiert. War das nicht die "Belle Epoque", wo noch Manieren und Zucht und Ordnung herrschten? Damals war doch die Welt noch in Ordnung, ehe sie dann im Grauen des Ersten Weltkriegs 1914-1918 endete und rote und brauen Proleten die Macht an sich rissen.
Wer denkt schon darüber nach, dass auf die Französische Revolution ein von 1792 bis 1815 dauernder Kriegszustand folgte. Über die Opfer dieser so genannten "Koalitionskriege" - die auch als "Napoleonische Kriege" bekannt sind - steht auf Wikipedia der dürre Satz:
"Die Napoleonischen Kriege wüteten ungefähr 23 Jahre in fast ganz Europa und hatten den Tod von rund 6,5 Millionen Soldaten und Zivilisten zur Folge."
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Koalitionskriege
Wobei in Europa um 1800 weitaus weniger Menschen lebten als heute. Somit begann die Moderne mit einem Gemetzel das ebenso schlimm wie der Dreißigjährige Krieg davor und der Erste Weltkrieg danach war.
Der Wiener Kongress 1815, der unter diese blutige Zeit einen Schlussstrich ziehen sollte, legte den Grundstein für neue Umstürze und Kriege. Nachdem sich die Aufklärer unter der Trikolore und Napoloen als Schlächter erwiesen hatten, machten die Restauratoren um Metternich weiter.
Hatte nicht Napoleon den maroden Preußen, Österreichern und Russen eine Lektion in moderner Staatskunst, Kriegskunst und Verwaltung erteilt? Nachdem die ersten Lektionen recht bitter waren, lernten Preußen, Österreicher und Russen fleißig - bis sie allesamt im Ersten Weltkrieg untergingen.
Fragen an die Geschichte
Erst die Verbrechen Hitlers und Stalin nahmen Historiker und Philosophen zum Anlass, die Aufklärung zu hinterfragen. War angesichts der fabrikmäßigen Vernichtung von Menschen in Auschwitz das im 18. Jahrhundert so glorreich begonnene Projekt nicht Lug und Trug? Besonders bei den Nazis wird da gern von einem "Rückfall in die Barbarei" gesprochen. Das setzt aber voraus, dass es vor 1933 keine Barbarei gegeben hat. Was war aber die Zeit von 1792-1815 mit dem Tod von über sechs Millionen Menschen anderes als Barbarei?
Vor den Bildern aus den KZ's gab es da solche Bilder
http://www.poster.net/goya-francisco...en-2601022.jpg - Gemälde von Goya
Ja, jetzt zetern sie wieder wenn ich Napoleon mit Hitler vergleiche. Aber der A. H. selbst sah sich als Nachfolger Napoloens und versäumte es nicht, nach der Eroberung von Paris 1940 Napoloens Grab einen Besuch abzustatten. Warum haben erst Hitler und Stalin dazu geführt, die Frage nach der Aufklärung als Massenbetrug zu stellen. Goya kannte weder den A. H. noch den Dschugaschwili - ihm hat das Wüten der Franzosen in Spanien gereicht, um Verbrechen nicht schön zu reden, sondern anzuprangern.
Ich habe den Eindruck, dass selbst die Kritik an Aufklärung als Betrug Teil dieses Betruges iist. Mit Hitler und Stalin resp. Nazis und Kommunisten prangert man da aus den Unterschichten und unteren Mittelschichten stammende Bewegungen an und vermeidet vornehm jede Kritik an den Verbrechen genuin bürgerlicher Systeme. Die Proleten sind halt schuld an all den Massakern und der Bürger wäscht seine bluttriefende Hände in Unschuld.
Aber breicht sich eine Zivilisation, die einen Napoleon trotz sechs Millionen Toten als großen Helden feiert, über Epigonen in der Art Hitlers wirklich wundern? Ist das Entsetzen über "Auschwitz" mehr als hundert Jahre nach dem erschütternden Bild von Goya nicht beschämend?
Der A. H. und seine Verbrecherkollegen Stalin und Mao kamen nicht aus heiterem Himmel. Sie hatten - angefangen mit Napoleon - Vorläufer! Dass die Welt es 1945 leid war, Mörder als Helden zu feiern und über den A. H. damnatio memoriae verhängte, mag auch am der schlechten "Selbstdarstellung" der Nazis gelegen haben. Das Grauen der Nazis war im großen und kleinen zu brutal und zu entsetzlich, um da noch mit Schönschwätzerei zu kommen.
Aber davor wurden im Zeichen der Aufklärung, des Fortschritts und der Moderne immer wieder Verbrechen in großem Stil begangen und Verbrecher zu Helden und Heroen der Geschichte verklärt. Die waren halt nicht so dämonisch wie Hitler, sondern liefen immer in diesen putzigen bunten Uniformen und Hofstaat herum. Sie hatten auch bessere Manieren als die Nazis, auch wenn auf ihren Plantagen die Sklaven nach sieben Jahren unmenschlicher Zwangsarbeit starben.
Die Liste jener Großverbrecher der "Belle Epoque" ist so lang, dass ich sie in gesonderten Posts behandeln werde. Sie belegen, dass nach 1789 nicht das Zeitalter der Vernunft angebrochen ist, sondern die Vernunft die meiste Zeit geschlafen hat. Und sie mit rosaroten Geschichtsbildern systematisch eingeschläfert wurde.
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19.04.2009, 12:47
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#2
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Schriftstellerin
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die USA im 19. Jahrhundert
Sklaverei in den USA
Dass es in den USA Sklaven gab und dass der Konflikt zwischen Gegnern und Befürwortern der Sklaverei zu immer größeren Spannungen und dem Bürgerkrieg von 1861-65 führte, wissen die meisten interessierten Menschen. Aber wer weiß schon, dass von Ende des 18. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs die Zahl der schwarzen Sklaven in den USA stetig zunahm? Bei der Volkszählung 1860 wurden in den USA fast vier Millionen Sklaven gezählt.
Quelle http://de.wikipedia.org/wiki/Geschic...en_von_Amerika
Die Sklaverei war kein Relikt vormoderner Zustände, sondern integraler Bestandteil eines Staates, der sich wie kein anderer als Kind der Aufklärung und der Moderne verstand. Die Menschen, die »nach Amerika machten«, um hier ein neues und besseres Leben als in Europa zu beginnen, mögen sich beim Ausbruch des Bürgerkriegs verwundert die Augen gerieben haben. Hatte sie nicht da all das wieder eingeholt, was sie in Europa hinter sich lassen wollten. »Die Sonne scheint, aber sie wärmt nicht«, sagte der Dichter Walt Whitman bei Ausbruch des Sezessionskrieges. Ein schönes und poetisches Wort, dass sich auf die gesamte Epoche der Aufklärung übertragen lässt.
vor dem »totale Krieg«
Der »Sezessionskrieg« zwischen Südstaaten und Nordstaaten wird als erster mit modernen Mitteln geführter Krieg angesehen. So sehr ich auch mit dem Anliegen Lincolns, die Union zu erhalten und Kleinstaaterei wie in Lateinamerika zu unterbinden sympathisiere – von der Sklavenfrage ganz abgesehen! – so verfielen die »Yankees« dabei auf einen Diskurs, der im 20. Jahrhundert grauenhafte Folgen haben sollte. Ein Menschenalter vor Goebbels Parole »Wollt ihr den totalen Krieg?« prägte der Gerneral der Nordstaaten Willian T. Sherman den Satz: »War is hell.« Und die Hölle entfesselte er in seinen Feldzügen gegen die Südstaaten, um durch systematischen Terror gegen die Zivilbevölkerung den Feind zu zermürben.
Über Shermans Kriegführung steht auf Wikipedia:
Zitat:
(...)Shermans nächstes Ziel war nun die Hafenstadt Savannah an der Mündung des gleichnamigen Flusses, die er mit seinen Truppen Mitte Dezember 1864 erreichte und kampflos einnahm.
Shermans Armee hinterließ auf diesem als Marsch zum Meer berüchtigten Vormarsch eine Schneise der Verwüstung, ein frühes Beispiel einer absichtlich durchgeführten Politik der "verbrannten Erde". Seine Soldaten sengten, plünderten und brandschatzen alles, was auf ihrem Wege lag. Sie vernichteten Felder, Häuser, Höfe und Hütten und nahmen alles an sich, was sie finden konnten; was sie nicht mitnehmen konnten, zündeten sie an. Nachdem er sich sechs Wochen in Savannah aufgehalten hatte, machte Sherman sich Anfang Februar 1865 daran, mit seiner 60.000 Mann starken Armee die beiden Carolinas zu durchqueren. Er marschierte zunächst durch South Carolina und hinterließ auch hier eine blutige Spur der Zerstörung. Im Staat South Carolina, der für den Abfall der Südstaaten mitverantwortlich gemacht wurde, zeigte sich erneut die Zerstörungswut der Soldaten. Verwüstet wurde, was auf ihrem Weg lag, gleichgültig, ob es von militärischem Wert war oder nicht. South Carolinas Hauptstadt Columbia wurde in einer Orgie der Zerstörung dem Erdboden gleich gemacht.
Sherman verfolgte mit seinen zerstörerischen Vormärschen durch das Gebiet der Südstaaten primär zwei Ziele. Zum einen wollte er verhindern, dass die Bevölkerung der gegnerischen Armee beistand, ihr Unterstützung, Hilfe oder Nachschub zukommen ließ. Hierfür entzog er der Bevölkerung die letzten ökonomischen Ressourcen, letztlich, wie oft zitiert, um den Krieg zu einem schnellen Ende zu führen. Zum anderen wollte er der Bevölkerung der Südstaaten, die er für den Krieg verantwortlich machte, die Grausamkeit des Krieges drastisch vor Augen führen, um sie, ein für alle Mal, von diesem "Mittel der Politik" abzuschrecken. Wegen dieser Kriegsführung, die eine verheerende Wirkung auf die Moral der Zivilbevölkerung hatte und ihre Lebensgrundlagen zerstörte, gilt Sherman als einer der ersten »modernen« Generale. Der Schriftsteller E. L. Doctorow machte Shermans verheerenden Feldzug 2005 zum Thema seines Romans Der Marsch.
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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/William_T._Sherman
General Sherman ist nicht der einzige US-amerikanische Militär des 19. Jahrhunderts, der mit menschenverachtenden Äußerungen zu einem Dikurs beitrug, der im 20. Jahrhundert grauenhafte Folgen haben sollte.
Von General Sheridan ist folgende Aussage überliefert: »Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer«. Dazu steht auf Wikipedia:
Zitat:
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Von ihm soll der Ausspruch Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer stammen. Das amerikanische Original lautete: »The only good Indians I ever saw were dead« (deutsch = Die einzigen guten Indianer, die ich jemals sah, waren tote). In seiner Biographie »Sheridan, the Inevitable« schreibt Richard O'Connor: »Obwohl der allgemein ihm zugeschriebene Grundsatz 'Der einzig gute Indianer ist ein toter Indianer' ein ungenaues Zitat dessen ist, was Sheridan wirklich sagte, dachte er jedoch genau so und handelte entsprechend.«
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Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Philip_Sheridan
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19.04.2009, 13:56
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#3
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Erfahrener Benutzer
Stammuser
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Hallo, Beverly,
sehr gute und interessante Artikel ... - aber wie genau nun die jetzt stimmen, sind auch ein paar Fragen ... aber im Grundsätzlichen scheint das stimmig zu sein.
1. Schwer zu sagen, wie bekannt überhaupt Goya in D vor den Nazis wurde .... ? Wahrscheinlich nur in besoneren Zeitungen ...? Übrigens soll diese Zeit als die Zeit des größten Zeitungssterben überhaupt gewesen sein soll ...
- Viele werden von Goya höchstens gehört haben, wenn überhaupt ....
2. Vernunft ist möglicherweise einer der schlimmsten Begriffe überhaupt - und meist falsch verstanden, auch heute noch vielfältig falsch ausgelegt und aber vortäuschend bewusst eingesetzt. - Eigentlich ein totales Unwort.
Für Sprachforscher ist das Wort "Moderne" ebenfalls sehr interressant ... dann da ist Moder drin
Zitat:
"Dass die Welt es 1945 leid war, Mörder als Helden zu feiern und über den A. H. damnatio memoriae verhängte, mag auch am der schlechten "Selbstdarstellung" der Nazis gelegen haben. Das Grauen der Nazis war im großen und kleinen zu brutal und zu entsetzlich, um da noch mit Schönschwätzerei zu kommen."
Bist du dessen sicher - ??? Ich jedenfalls nicht. - Das ist wahrscheinlich nur Aufgebausche.
--wenn man sich die letzten 30 Jahre bis heute ansieht,- weil Faschismus und Rechts ist schwer am kommen -, dann sehe ich jedenfalls, das juckt wirklich nur wenige ...
Der Schlüssel für die großen schlimmen Ereignisse von 1900 bis 2000 liegen in der Entwicklung und Geschichte der Bürgertums - und zwar wirklich alle Schichten des Bürgertums.
gruss, deserd
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19.04.2009, 14:39
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#4
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Zitat:
Zitat von deserd
Hallo, Beverly,
sehr gute und interessante Artikel ... - aber wie genau nun die jetzt stimmen, sind auch ein paar Fragen ... aber im Grundsätzlichen scheint das stimmig zu sein.
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Hallo deserd,
ich bin hier nicht mit den Anspruch angetreten, das alles en detail zu untersuchen und bis aufs i-Tüpfelchen zu belegen und zu beweisen.
Mir lasse aber zwei Dinge keine Ruhe:
1. Auf Wikipedia wird ganz selbstverständlich die Zahl von 6,5 Millionen Toten durch die "Napoleonischen Kriege" und von knapp 4 Millionen Sklaven in den USA 1860 genannt. Im Fernsehen habe ich in einem Programmhinweis gehört, dass damals ein Drittel der Bevölkerung der USA aus Sklaven bestanden haben soll.
So liegen die Fakten und Anstöße, endlich mal die richtigen Fragen zu stellen, offen zutage.
2. Ich bin mit dem Glauben an die Französische Revolution und moderne Geschichte als Fortschritt groß geworden. Um mich dann immer wieder zu fragen, warum denn die Protagonisten dieser Geschichte - die ich als "die Guten" ansehen sollte - so viele Verbrechen begingen. Warum haben sich die Jakobiner abgeschlachtet? Warum war Napoleon so größenwahnsinnig und Lenin so grausam?
Irgendwann war ich es Leid, das vor mir alles noch zu rechtfertigen und dem einen anderen Sinn als den des fortgesetzten Betruges zu geben. Wobei auch viele Diskussionen im Internet und mit Freunden hilfreich waren. So fragte ein User (Rikimer) auf Politikforum.de mit Recht, warum da für das Geschichtsforum mit Napoleon das Bild eines Verbrechers als Logo genommen wurde.
Auch mein Leben selbst gibt keinen Grund, mich als Nutznießerin einer 200jährigen Erfolgsgeschichte zu sehen. Mir kommt es eher so vor, als ob den einfachen Menschen gesagt wird "aber ihr habt doch so viel davon profitiert" und sie werden trotzdem arm und abhängig gehalten.
Ich will anderen Menschen solche Verarschungen ersparen, ohne - trotz vieler richtiger Fragen von Konservativen - dem Diskurs der konservativen Kulturkritik und des Kulturpessismismus zu verfallen. Der führt uns IMHO nicht weiter, ja mag sogar eine der Spielarten der Täuschungen sein.
Zitat:
Zitat von deserd
Der Schlüssel für die großen schlimmen Ereignisse von 1900 bis 2000 liegen in der Entwicklung und Geschichte der Bürgertums - und zwar wirklich alle Schichten des Bürgertums.
gruss, deserd
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Vergleich mal den Lebensstandard z. B. eines Hamburger Kaufmanns von 1809 mit dem seines Standesgenossen 2009, dann hast du Sinn und Zweck der letzten 200 Jahren: den Lebensstandard der Herrschenden zu heben und ihnen Machtmittel und Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die es früher nicht gab.
Alles andere ist da im Wesentlichen eine Frage der Methoden - wo die ja nicht zimperlich sind - und der Konflikte mit anderen Klassen und innerhalb ihrer eigenen Klasse - wo sie hie wie dort keine Skrupel kennen.
So war "Emanzipation" IMHO da nichts anderes als das sukzessive Herauslösen des Bürgertums aus Unterordnung - unter den Staat - und Bindungen an und Verantwortungen für nichtbürgerliche Entitäten. Es ist der Weg von der vor den Adligen buckelnden Hofschranze in die "gated community", wo sie ausgesorgt haben und ihnen alles übrige egal ist.
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19.04.2009, 15:03
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#5
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Der »Napoleon Südamerikas«
Lateinamerika war nach dem Ende der spanischen Kolonialherrschaft alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Auch dort gab es im 19. Jahrhundert schon Tyrannen und mörderische Kriege. Siehe die Geschichte von Paraguay. Paraguay führte von 1864 bis 1870 mit Brasilien, Argentinien und Uruguay einen Krieg, in dem zwei Millionen Menschen ums Leben kamen. Im Verhältnis zu der damals niedrigen Bevölkerung macht das diesen so genannten Tripel-Allianz-Krieg zu einem der blutigsten Kriege der Weltgeschichte. So überlebten von einer halben Million Einwohner Paraguays nur 116 000 den Krieg. Von den Folgen des Krieges hat sich das vor Kriegsausbruch blühende Land nie wieder erholt.
Mehr auf http://de.wikipedia.org/wiki/Tripel-Allianz-Krieg
Während des Krieges wurde Paraguay von Francisco Solano López regiert, der als Diktator mit unumschränkter Macht agierte und als »Napoloen Südamerikas« bezeichnet wurde. An seiner Person und den gegensätzlichen Sichtweisen – die von Nationalheld bis Kriegsverbrecher reichen – wiederholte sich einerseits tatsächlich Napoleons Wirken. Andererseits zeigte sich da im Wortsinne mitten in der Pampa jene Art von »Geschichte« mitsamt ihren Großverbrechern, die im 20. Jahrhundert Europa und andere Teile der Welt verwüsten würde.
Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Francis...ano_L%C3%B3pez
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19.04.2009, 15:26
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#6
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Beiträge: 729
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Zitat:
"Warum haben erst Hitler und Stalin dazu geführt, die Frage nach der Aufklärung als Massenbetrug zu stellen."
Ich denke mal, das hängt damit zusammen, das erst mit der Entwicklung des Bürgersystems auch das Gros der Presse (Zeitungs-, Pressevielfalt) entstanden ist.
Die Presse als eine der neu entstandenen Arbeitsteilungen, die der Fortschritt mit sich gebracht haben.
Insbesondere auch die Presse hatte damals auch eine, mehrere bestimmte Funktionen, und das bestimmt noch ganz anders wie heute; sie entstand aber sicherlich relativ parallel zum internationalen Bankensystem.
Ich hatte übrigens auch schon vor Jahren angemerkt, dass die über die Geschichte der Presse und der Presseagenturen kaum etwas bekannt ist.
Nun fand zwar so ca. 1929 das größte Zeitungssterben ein, aber die Presse-Infrastrukturen sind auf jeden Fall erhalten geblieben und führten infolge zur Konzentration
Du musst außerdem sehen, das Radio (Volksempfänger) kam in der Breite der Gesellschaft erst mit AH - und war insofern nach WW2 auch der gesamten Bevölkerung zugänglich - schon auch mal ein Konkurrenz-Medium zur Zeitung.
Wär ja schon mal interessant, wie breit die Presse verteilt war vor ihrem Massen-Sterben, ich meine mich zu erinnern, 2/3 der Zeitungen gingen futsch .... steht vielleicht auf Wikipedia
Zahlen wären da interessant, wie viele der Bürgertums konnten sich eine Zeitung leisten ...? ... vor 1929?
gruss, deserd
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19.04.2009, 15:28
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#7
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Ein gieriger König in einem kleinen Land
Auch im nächsten Beispiel behandeln wir ein vergleichsweise kleines Land: Belgien. Seinem König Leopold (regierte von 1865 bis zu seinem Tod 1909) war Belgien aber zu klein und so eroberte er in Zentralafrika entlang des Flusses Kongo ein Gebiet so groß wie Mitteleuropa.
Für die Menschen, die dort lebten, war es der Beginn eines bis heute andauernden Alptraums aus dem Raub ihrer Naturschätze, Versklavung, Terror und Massenmord.
Leopold richtete im von ihn eroberten Gebiet den so genannten »Kongo Freistaat« ein. Dabei agierte er formal als Privatperson, d. h. Geschäftsmann und der Freistaat unterstand ihm persönlich. Das Militär und Unternehmen, welche den Kongo ausbeuteten, begannen dort mit einer Schreckensherrschaft, der in zwanzig Jahren bis zu zehn Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Genaue Angaben halte ich für schwierig, weil die Täter ihre Spuren vertuschen wollen und kein Interesse an exakten und glaubwürdigen Schätzungen haben. Schließlich musste auch König Leopold auf seinen Ruf achten und in einer Dokumentation über sein Leben wurde gesagt, dass ihm seine Zeitgenossen nicht so sehr die Verbrechen im Kongo, sondern seinen Umgang mit seiner Familie und Neigungen zu kleinen Mädchen verübelten.
Aber schon damals wuchs die Empörung über die Verbrechen unter Leopolds Herrschaft, für die die Bezeichnung »Kongo-Greuel« geprägt wurden und für die zum Beispiel Bilder von Menschen mit abgehackten Händen standen. Deshalb wandelte der belgische Staat Leopolds Freistaat in eine Kolonie um.
Doch das Leiden der Menschen am Kongo hörte damit nicht auf. Auf Leopold folgten für sie Mobutu und Kabila. Für die Menschen in Europa folgten auf König Leopold Hitler und Stalin.
Siehe zu Leopold http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_II._(Belgien)
Mehr zur Ausbeutung des Kongos unter Leopolds Herrschaft bzw. im »Kongo-Freistaat« siehe unter http://de.wikipedia.org/wiki/Kongo-Greuel
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19.04.2009, 15:38
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#8
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Zitat:
Zitat von deserd
Zitat:
"Warum haben erst Hitler und Stalin dazu geführt, die Frage nach der Aufklärung als Massenbetrug zu stellen."
Ich denke mal, das hängt damit zusammen, das erst mit der Entwicklung des Bürgersystems auch das Gros der Presse (Zeitungs-, Pressevielfalt) entstanden ist.
Die Presse als eine der neu entstandenen Arbeitsteilungen, die der Fortschritt mit sich gebracht haben.
Insbesondere auch die Presse hatte damals auch eine, mehrere bestimmte Funktionen, und das bestimmt noch ganz anders wie heute; sie entstand aber sicherlich relativ parallel zum internationalen Bankensystem.
Ich hatte übrigens auch schon vor Jahren angemerkt, dass die über die Geschichte der Presse und der Presseagenturen kaum etwas bekannt ist.
Nun fand zwar so ca. 1929 das größte Zeitungssterben ein, aber die Presse-Infrastrukturen sind auf jeden Fall erhalten geblieben und führten infolge zur Konzentration
Du musst außerdem sehen, das Radio (Volksempfänger) kam in der Breite der Gesellschaft erst mit AH - und war insofern nach WW2 auch der gesamten Bevölkerung zugänglich - schon auch mal ein Konkurrenz-Medium zur Zeitung.
Wär ja schon mal interessant, wie breit die Presse verteilt war vor ihrem Massen-Sterben, ich meine mich zu erinnern, 2/3 der Zeitungen gingen futsch .... steht vielleicht auf Wikipedia
Zahlen wären da interessant, wie viele der Bürgertums konnten sich eine Zeitung leisten ...? ... vor 1929?
gruss, deserd
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Ja, die Rolle der Kommunikationsmittel und der Massenmedien. Wobei sich fragt, ob sie eher aufklären oder eher verdummen. Oder machen sie die Schlauen schlauer, weil die so besser an Informationen herankommen, und die Dummen dümmer, weil die noch leichter zu manipulieren sind?
Wobei man sich auch die Frage stellen muss, was das Internet bewirkt. IMHO ist es bis zu einer gewissen Tiefe ein sehr effektives Mittel, um Informationen zu gewinnen und neue Fragestellungen zu erarbeiten. So wäre dieser Strang ohne das Web und die Diskussionen in ihm nicht möglich gewesen.
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19.04.2009, 15:53
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#9
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Erfahrener Benutzer
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Wenn man wüsste, wie breit die Presse in der Bevölkerung verteilt war, wenn das mehr als 50 % wären ... hätte ja evtl Hitler -vielleicht- verhindert werden können - aber ich glaube es nicht ... zu viele hatten Interessen daran, dass Hitler an die Macht kam ... -- die Ausbildung der Bürgerklassen mit ihren Verbindungen in die (auch internationale) Politik, in die (auch internationale) Wirtschaft .... - dazu musste man Sprachen beherrschen, können - wer konnte das wo lernen ... ?
gruss, deserd
EDit:
Ich erinnere mich an eine Karikatur über die 30er Jahre, über die Rolle, die die Presse spielte: den fetten Ehemann (Vertreter der Wirtschaft oder Politik), die gutgeformte, hübsche, aber entsetzte Prostituierte und die etwas übergut rundliche Ehefrau mit einem freundlichen Lächeln ....
Geändert von deserd (19.04.2009 um 16:04 Uhr).
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19.04.2009, 16:21
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#10
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Stammuser
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Beiträge: 729
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Zitat:
"Wobei man sich auch die Frage stellen muss, was das Internet bewirkt. IMHO ist es bis zu einer gewissen Tiefe ein sehr effektives Mittel, um Informationen zu gewinnen und neue Fragestellungen zu erarbeiten. So wäre dieser Strang ohne das Web und die Diskussionen in ihm nicht möglich gewesen."
Bis jetzt noch. Fragt sich nur, wie lange noch .... ... das soll sich angeblich ändern ... !?
- Ich fände es schon gut, wenn sich einige gute Errungenschaften des Internet in die "echte" Welt retten könnten.
Definitiv kauf ich seit Jahren keine Bücher mehr.
Aber es gibt eben auch schlechte Effekte des Internet ... - und ein großes Problem, das kommt garantiert, nämlich die der Geschichtsschreibung.
Ich sag mal jetzt schon, noch 2-3 Generationen, also ca. 40-50 Jahre, und die Geschichtsschreibung ist futsch - und Geschichtskunde dann auch endgültig .....
Es tut mich schon sehr stören, das die Geschichtsschreibung und -forschung sich noch nur in den Händen akademischer Stände befindet ...
gruss, deserd
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