Peter @ all
Du schreibst:
Zitat:
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Der Witz ist doch folgender, statt über die Demo zu berichten wurde eigentlich nur der Krawall in den Vordergrund gestellt (siehe Sueddeutsche Tagesschau, ntv oder Spiegel). Über die Demo in London wurde völlig anders berichtet.
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Es liegt doch wohl klar auf der Hand, daß die Herrschenden Demon-
strationen gegen sich nicht gerade lieben, oder? Welchen Grund
hätten sie denn, positiv darüber zu berichten? Ich weiß nicht, inwieweit
Du Dich schon mit Publizistik und Massenkommunikation befasst
hast. Jedenfalls wird der eigene Standpunkt dadurch relativiert
(objetiviert), wenn ich über die gleiche Sache, die in einem anderen
Land geschieht, positiv schreibe. Würde ich darüber ebenso
negativ schreiben, könnte man mich der Parteinahme verdächtigen.
Was mich an dem Black block rein äußerlich ein wenig faszinierte, war
die Gruppendisziplin. Von Anbeginn stellten sich diese Leute in
einer geschlossenen Formation auf und sicherten sich nach allen vier
Seiten mit bauchnabelhohen reißfesten Transparenten ab. Ich lief oft
neben dem Zug her (es mögen in Frankfurt auch um die 150 bis 200
Personen gewesen sein). Ein paar Feuerwerkskörper explodierten nur
am Opernplatz. Sie verteilten auch eine Zeitung mit Namen DA,
Direkte Aktion…anarchosyndikalistische Zeitung (gelesen hab ich sie
noch nicht). Kurze Rangeleien gab es nur vor dem Römerberg in
der Braubachstraße (siehe meinen Bericht). Später im U-Bahnhof
Hauptwache wurden übrigens einige Anarchos von etlichen Polizeibütteln
bis zur S-Bahn begleitet. Jämmerlich sahen diese Jungs und Mädels
(so ab Jahrgang 1985 ) in Frankfurt aber nicht aus, Peter. Ihre
schwarzen Klamotten machten einen sehr ordentlichen Eindruck.
Aber wie dem auch sei. Ich halte solche Massendemonstrationen
für kontraproduktiv. In über 100 Bussen wurden Demonstranten aus
der Umgebung und Süddeutschland herangekarrt. Welch ein Aufwand für
ein kurzes Aufflackern, das von den herrschenden Medien immer
ein gefundenes Fressen ist. Verlaufen Demonstrationen zu friedlich,
macht man sich über sie lustig („ Ob es vielleicht deshalb so ruhig zuging,
weil das Themometer die 24 Grad Celsius Marke überschritt?“), gibt es
Randale, dann spielen die Demonstranten den Rechten in die
Hände.
Im übrigen glaube ich, dass sich viele
nur in der Menge wohlfühlen.
Mir fiel auf, dass etliche ihre Fahnen einrollten, als sie einzeln
den Kundgebungsplatz verließen. Hätten sie doch weiterhin offen
tragen können, oder? Politische Schriften und Flugbätter konnten
an Passanten nicht verteilt werden, weil es kaum Passanten gab,
oder die Polizeihorden alle Zugangsstraßen in dem Augenblick, in
dem der Demonstrationszug diese passierte, perfekt abriegelten.
Würde jeder der 55 Tausend Demonstranten (mir eigentlich egal,
wie viel es waren) einmal in der Woche eine Stunde lang etwas
Konkretes für eine andere Welt tun, könnten beispielsweise jetzt an
165 000 Stellen in der Republik an irgendwelchen Stellen A4 Blätter
hängen oder kleben, auf denen in großen Buchstaben stünde:
Wenn die Welt eine Bank wäre,
hättet ihr sie längst gerettet.
Genau solche drei Blätter habe ich gestern an drei Orten mit
Klarsichthüllen befestigt – und ich bin sicher, dass sie morgen dort
noch hängen werden.
Im übrigen, Peter, dieser Spruch hing in der letzten Woche bei uns
an der Deutschen Bank. Greenpeace hatte dort ein riesiges
Transparent befestigt, das die Geschäftsleitung nicht sofort entfernen
ließ.
grüße
Iphi
