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Alt 05.10.2008, 19:42   #31
Iphigenie
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Wir sind wir

ich bin ich und du bist wir
und er ist wir und sie ist wir
wir vier sind wir
so ist das hier
doch die von da und der von da
sind nicht von hier und nicht wie wir
denn ich und du und er und sie
wir vier sind eben nicht wie die
und weder die noch der von da
kann sein wie wir das ist doch klar
selbst wenn er irgendwann vergisst
dass er von ganz woanders ist
und glaubt er wäre jetzt von hier
und wär jetzt auch genau wie wir
dann geht das nicht
denn wir bin ich und wir bist du
und er gehört da nicht dazu
und so zu sein wie du und ich
das will er in der regel nicht
und das ist ja auch richtig
und unwahrscheinlich wichtig
dass jeder weiß
wer er ist
und niemals vergisst
dass da da und hier hier
und die die und wir wir
weil das ist klar
dass die von da
und wir halt von hier
und zwar alle vier
ich
du
er und sie
und wären wir wie die
dann wären wir ja von da
und daran scheitert's ja
wärn wir von da und die von hier
dann wärn die wir und wir wärn die
und wir wüssten nie
wie es ist dieses hier sein
dieses ganz und gar wir sein
und weil nicht sein darf was nicht sein kann
fang' wir das das erst gar nicht an
ich bleib ich
du bleibst du
er bleibt er
und sie bleibt sie
wir vier bleiben wir
und die bleiben die
und so bleibt alles irgendwie
genauso wie es immer war

na wunderbar

~ Wilfried Schmickler (*1954) deutscher Kabarretist
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Alt 05.10.2008, 20:45   #32
Iphigenie
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Carne valet 08


1.
An einem blauen Sommertach
Da kommt der große Bankenkrach
Die Blase der Spekulation
zerplatzt, so wie ein Luftballon
Am Bankomat gibt's auch nix mehr
Wo krieg' ich jetzt die Kohle her?
Die Panik kommt, wenn nix mehr geht
Für alles ist es nun zu spät
Carne valet
Null acht!


2.
Wohl dem, der einen Sparstrumpf hat
Mit dem bist du noch nicht schachmatt
Jedoch der Supermarkt ist leer
Der Lieferwagen fährt nicht mehr
Nun geht's mit dem Rest Sprit im Tank
Zur Hamsterfahrt aufs weite Land
Der Bauer lässt die Hunde los
Da wir die Panik riesengroß
Carne valet
Null acht!

3.
In unsrem stolzen Bundestach
Herrscht nicht mal mehr Parteienkrach
Per Notverordnung wird regiert
Nun sind wir erst recht angeschmiert
Das Ding mit Geld und mit den Zinsen
Ging exponentiell in die Binsen
Und keiner weiß, wie's weitergeht
Für alles ist es nun zu spät
Carne valet
Null acht!

~ SF-Karnevals-Boogie , der auf www.groovty.de im Januar 2008 erschien:
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Alt 06.10.2008, 20:13   #33
Myron
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Und wichtiger als Geld ist alles andere auf der Welt.

Geändert von Myron (23.10.2008 um 22:52 Uhr).
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Alt 26.11.2008, 15:45   #34
Iphigenie
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Die Lösung

Wenn was nicht klappt, wenn was nicht klappt,
dann wird vor allem mal nicht berappt.
Wir setzen frisch und munter
die Löhne, die Löhne herunter -
immer runter!

Wir haben bis über die Ohren
bei unsern Geschäften verloren …
Unser Geld ist in allen Welten:
Kapital und Zinsen und Zubehör.
So lassen wir denn unser großes Malheur
nur einen, nur einen entgelten:

Den, der sich nicht mehr wehren kann,
Den Angestellten, den Arbeitsmann;
den Hund, den Moskau verhetzte,
dem nehmen wir nun das Letzte.
Arbeiterblut muß man keltern.
Wir sparen an den Gehältern -
immer runter!

Unsre Inserate sind nur noch ein Hohn.
Was braucht denn auch die deutsche Nation
sich Hemden und Stiefel zu kaufen?
Soll sie doch barfuß laufen!
Wir haben im Schädel nur ein Wort:
Export! Export!

Was braucht ihr eignen Hausstand?
Unsre Kunden wohnen im Ausland!
Für euch gibts keine Waren.
Für euch heißts: sparen! sparen!
Nicht wahr, ein richtiger Kapitalist
hat verdient, als es gut gegangen ist.
Er hat einen guten Magen,
Wir mußten das Risiko tragen …
Wir geben das Risiko traurig und schlapp
inzwischen in der Garderobe ab.

Was macht man mit Arbeitermassen?
Entlassen! Entlassen! Entlassen!
Wir haben die Lösung gefunden:
Krieg den eignen Kunden!
Dieweil der deutsche Kapitalist
Gemüt hat und Exportkaufmann ist.
Wußten Sie das nicht schon früher -?
Gott segne die Wirtschaftsverführer!

Kurt Tucholsky. Gesammelte Werke 9 - 1931. Rowohlt
Taschenbuch GmbH. Reinbeck bei Hamburg. 1993. S. 269
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Alt 06.03.2009, 13:34   #35
Iphigenie
Gast
 
Beiträge: n/a
  
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Bundeslied

"Bet' und arbeit'!" ruft die Welt.
Bete kurz! denn Zeit ist Geld.
An die Türe pocht die Not –
bete kurz!, denn Zeit ist Brot.

Und du ackerst, und du säst,
und du nietest, und du nähst,
und du hämmerst, und du spinnst
¬sag, o Volk, was du gewinnst!

Wirkst am Webstuhl Tag und Nacht,
schürfst im Erz- und Kohlenschacht,
füllst des Überflusses Horn,
füllst es hoch mit Wein und Korn. -

Doch wo ist dein Mahl bereit?
Doch wo ist dein Feierkleid ?
Doch wo ist dein warmer Herd?
Doch wo ist dein scharfes Schwert?

Alles ist dein Werk! o sprich,
alles, aber nichts für dich!
Und von allem nur allein,
die du schmiedst, die Kette, dein?

Kette, die den Leib umstrickt,
die dem Geist die Flügel knickt,
die am Fuß des Kindes schon
klirrt - o Volk, das ist dein Lohn.

Was ihr hebt ans Sonnenlicht,
Schätze sind es für den Wicht;
was ihr webt, es ist der Fluch
für euch selbst - ins bunte Tuch.

Was ihr baut, kein schützend Dach
.hat's für euch und kein Gemach;
was ihr kleidet und beschuht,
tritt auf euch voll Übermut.


Menschenbienen, die Natur,
gab sie euch den Honig nur?
Seht die Drohnen um euch her!
Habt ihr keinen Stachel mehr?

Mann der Arbeit, aufgewacht!
Und erkenne deine Macht!
Alle Räder stehen still,
wenn dein starker Arm es will.

Deiner Dränger Schar erblaßt,
wenn du, müde deiner Last,
in die Ecke lehnst den Pflug,
wenn du rufst: Es ist genug!

Brecht das Doppeljoch entzwei!
Brecht die Not der Sklaverei!
Brecht die Sklaverei der Not!
Brot ist Freiheit, Freiheit Brot!

~ Georg Herwegh (1817-1875)
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