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Alt 18.07.2010, 22:43   #1
Beverly
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Idee "Objektiv oder gekauft?" - die Rolle von "Denkfabriken" in Politik und Gesellschaft

Ich brüte gerade über einem Schreibprojekt, in dem die so genannte "Letzte Akademie" eine Schlüsselrolle spielt. Die Letzte Akademie verspricht ihren Schülern geistige und körperliche Vervollkommnung, doch hinter dem schönen Schein verfologt sie ganz anderen Ziele ...

Im Zusammenhang damit habe ich auf Wikipedia den Artikel

Denkfabrik

gefunden. Da steht unter Anderem:

Zitat:
Advokatische Think Tanks: Sie gelten als aggressive Verkäufer ihrer Ideen. Sie forschen selten selbst, sondern geben schon existierenden Ideen einen Spin. Vorbild dieses Typus ist die US-amerikanische Heritage Foundation. Sie führte die Idee der Policy Briefs ein, die so kurz und prägnant sind, dass sie z.B. auf dem Weg vom Flughafen in den Kongress durchgelesen werden können. Sie setzen v.a. auf kurzfristigen Entscheidungshorizont und nutzen verstärkt die Medien. Das Team besteht meistens aus wenig Wissenschaftlern, aber dafür mehr PR-Leuten, die die Ideen einfach besser „verkaufen“ können. Sie werden von Interessengruppen ins Leben gerufen und haben eine klare gesellschafts- und wirtschaftspolitische Ausrichtung. Die Neutralität der Ergebnisse ihrer Arbeit wird deshalb oft angezweifelt, was sie in die Nähe von Junk Science rückt. Gerade Denkfabriken diesen Typs betreiben oft Öffentlichkeitsarbeit, um für ihre Ziele zu werben, andererseits wird ihnen aber auch oft vorgeworfen, hinter den Kulissen Einfluss auszuüben (Lobbyismus).
(...)
Bis in die 1970er blieb es bei den wenigen Dutzend bekannter Denkfabriken (...) Erst danach explodierte die Anzahl der Denkfabriken, und es bildeten sich viele kleinere Institutionen heraus, die häufiger zur Unterstützung zielgerichteter Lobbyarbeit gegründet wurden.

Von den circa 6.300 Denkfabriken, die heute auf der Welt existieren, sind die Hälfte nach 1980 gegründet worden. Nach 1989 wurden vermehrt, meist mit amerikanischer finanzieller Unterstützung, (wirtschafts-)liberale Denkfabriken in Osteuropa gegründet.
Die Frage nach dem Einfluss von Denkfabriken stellt sich da von selbst. Werden in ihnen die Diskurse ausgebrütet, die dann von Wissenschaftlern und Journalisten bis zu Forenusern alle nachbeten?
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Alt 18.07.2010, 22:53   #2
Hellmann
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Zitat:
Zitat von Beverly Beitrag anzeigen
Die Frage nach dem Einfluss von Denkfabriken stellt sich da von selbst. Werden in ihnen die Diskurse ausgebrütet, die dann von Wissenschaftlern und Journalisten bis zu Forenusern alle nachbeten?
Ja, eindeutig. Die ganze neoliberale Politik hätte sich ohne diese Denkfabriken nicht durchsetzen lassen.

Das eigentliche Phänomen ist aber, dass es denen gelingt, ihre Gegner davon abzuhalten, mit denselben Methoden zu arbeiten. Es gibt keine nennenswerten Denkfabriken gegen den Neoliberalismus, obwohl da schon mit wenigen Tausend Euro im Monat was zu machen wäre. Arbeitslose Akademiker mit entsprechenden Talenten findet man leicht, für Geld ließen die sich auch dazu bewegen, mal wirklich Politik zu machen, statt dass jeder einzeln irgendwo herumsandelt.

Aber da tut sich nichts. Die "Nachdenkseiten" sind noch der einzige "think tank" gegen den Neoliberalismus, der wenigstens noch irgendwie brauchbare Arbeit leistet. Das ist halt auch nicht mit Zufall zu erklären, sondern nur damit, dass die Neoliberalen offensichtlich mit wirksamen Methoden ihre Gegner an selbst so einfachen Organisationsformen wie einem think tank hindern können.
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Alt 18.07.2010, 23:18   #3
deserd
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Zitat:
Zitat von Hellmann Beitrag anzeigen
Aber da tut sich nichts. Die "Nachdenkseiten" sind noch der einzige "think tank" gegen den Neoliberalismus, der wenigstens noch irgendwie brauchbare Arbeit leistet. Das ist halt auch nicht mit Zufall zu erklären, sondern nur damit, dass die Neoliberalen offensichtlich mit wirksamen Methoden ihre Gegner an selbst so einfachen Organisationsformen wie einem think tank hindern können.
Diese Beschreibung ist nicht richtig stimmig. Denn sie liese vermuten, erst mit den think tanks wäre das so.
- Das stimmt so aber nicht!

Es gab auch schon immer ein Bürgertum auf Seitn der Wirtschaftsliberalen, lange bevor es Think Tanks gab.

Alternative Think Tanks gegen Neoliberale, das wurde schon hie und da diskutiert - und auch immer noch.
Man muss sehen: Deutlich ungleiche Waffenstärke

Viele creative, auch softe, strategische (etc, etc ....) Widerstände, oder was auch immer ....
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Alt 19.07.2010, 07:22   #4
Beverly
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Zitat:
Zitat von Hellmann Beitrag anzeigen
Das eigentliche Phänomen ist aber, dass es denen gelingt, ihre Gegner davon abzuhalten, mit denselben Methoden zu arbeiten. Es gibt keine nennenswerten Denkfabriken gegen den Neoliberalismus, obwohl da schon mit wenigen Tausend Euro im Monat was zu machen wäre. Arbeitslose Akademiker mit entsprechenden Talenten findet man leicht, für Geld ließen die sich auch dazu bewegen, mal wirklich Politik zu machen, statt dass jeder einzeln irgendwo herumsandelt.

Aber da tut sich nichts. Die "Nachdenkseiten" sind noch der einzige "think tank" gegen den Neoliberalismus, der wenigstens noch irgendwie brauchbare Arbeit leistet. Das ist halt auch nicht mit Zufall zu erklären, sondern nur damit, dass die Neoliberalen offensichtlich mit wirksamen Methoden ihre Gegner an selbst so einfachen Organisationsformen wie einem think tank hindern können.
Hallo Hellmann,

ich hatte einmal eine Kollegin, mit der war es so: wenn ihr Arbeitsverhältnis nach 11 Monaten ausgelaufen wäre, hätte sie zum Sozialamt gehen müssen. Das Sozialamt hätte sie für Unterstützung an ihre Eltern verwiesen. Gut gelaufen wäre es für sie nur, wenn ihr Arbeitsverhältnis nach 12 Monaten endete und sie Anspruch auf Arbeitslosengeld gehabt hätte.
Solche Zustände im Milieu "linksliberaler" Sozialwissenschaften erklären, warum sich da keine Gegenprojekte bilden können. Weil die Leute, die in ihnen arbeiten, so lange wie Dreck behandelt werden, bis sie die Lust verlieren.
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Alt 19.07.2010, 07:24   #5
Beverly
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Zitat:
Zitat von deserd Beitrag anzeigen
Viele creative, auch softe, strategische (etc, etc ....) Widerstände, oder was auch immer ....
Ich bin so weit, lieber allein in der Schriftstellerei kreativ zu sein, als in den einschlägigen entsetzlichen Klüngelhaufen - siehe meinen letzten Post.
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Alt 19.07.2010, 09:52   #6
deserd
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Es ist das Problem, dass die Linken nichts anzubieten haben; aber die Leute müssen irgend wovon leben ....

Es ist auch nicht so, dass es gar nichts think Tank-mäßiges gibt, aber sie sich als Artikel-Schleudern engagieren ... hmm, das sind zu viele Infos, auch bei den Nachdenkseiten ....

- Ein Think Tank braucht erstmal einen guten einfachen Slogan, oder Leitsatz oder ....

- Dann braucht der Think Tank einen Leitartikel, höchstens 3 Seiten lang "für das grobe alle"

- Danach eine Reihe von 3 Leit-Artikeln für 3 Politik-Felder

- Dann: gute Interviews, gefolgt, begleitet von einer guten Aufbereitung des jeweiligen Politikfeldes

- Massen-, Detail-Info's, News ganz nach hinten


Ein Think Tank muss natürlich an die Öffentlichkeit gehen:
- Top: Fernsehen, Radio, Mainstream-Press - sehen, was am billigstn ist .... ich glaube Print-Anzeigen sind teuer, könnten durch Flyer ersetzt werden
Radio, Fersehen könnten preiswert sein, weil die was senden wollen ....

So ungefähr ..... ist doch eine klare Gliederung .... !?
ähm ja, man muss bzw sollte natürlich Leute gewinnen ....
aber es gibt ja ... z. B. Linksnet
(Aktionen ausdenken, Öffentlichkeit machen, Luftballons & Flyer)
(keine Demos wegen Sabotage; Gute-Laune-Politik, das passt zu Luftballons)

--- = So, das ist schon der komplette Grobplan für einen alternativen Think Tank, der muss nicht unbedingt viel kosten am Anfang

was macht Dr Who gerade - der ist auch am basteln ...
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Alt 19.07.2010, 10:07   #7
deserd
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Also, wenn das nicht ein guter Plan ist ....

Widerstand muss Spaß machen und Gute Laune ... das klauen wir von den verlogenen CSD-Jüngern ....

Und, dass diese Linke "nichts anzubieten hat" - das haben aber große Konzerne, Politiker genausowenig - ist eben deswegen nicht so schlimm ....
dafür bietet die alternative Linke einen praktische Tipps zum besseren Überleben
(selber Garten machen, etc)
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Alt 19.07.2010, 10:13   #8
deserd
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Also, ich finde, "wir" könnten noch einen Think Tank für die Erhaltung und Ausweitung der Menschenrechte gebrauchen ....

Amnesty International ist zwar nett, aber überzeugt nicht 100pro.
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Alt 19.07.2010, 11:29   #9
Hellmann
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Dank Internet wäre ein think tank eigentlich gar kein Problem, zuletzt von der finanziellen Seite. Aber etwas Geld müsste halt dennoch fließen, damit man die Leute auch lenken kann. Sonst kommt wieder jeder mit seinem Steckenpferd dahergeritten.

In Zeiten von Wirtschaftskrise, Lohnkürzung und Sozialabbau hat eben das das einzige Thema zu sein und nicht das Versaufen der Eisbären auf angeblich wegschmelzenden Schollen oder der pöhse Naziladen mit seinen Thor Steinar Klamotten.

Ein abschreckendes Beispiel gefällig?
Zitat:
Zitat von deserd Beitrag anzeigen
aber es gibt ja ... z. B. Linksnet
Genau, und was lese ich da gerade ganz oben?
Zitat:
Die Araber, der Holocaust und die universalistische Moral

Rezension des Buches: Gilber Achcar: Les Arabes et la Shoah. La guerre israélo-arabe des récits. Arles: Actes Sud, 2009.
http://www.linksnet.de/

Ist sicher nur eine Momentaufnahme, aber andere Momente konnte ich da noch nie finden.

Statt dass man sich endlich mal auf den Neoliberalismus wirft, muss da der Eine wieder "Nazis" bekämpfen, die Vergangenheit bewältigen, die Andere hat noch ein Genderproblem und will über Männlein und Weiblein debattieren. Und so geht das seit etwa dreißig Jahren.

Darunter folgt gleich:
Zitat:
Klimapolitik zwischen Kyoto und Cancún
Nur den Neoliberalismus will niemand endlich mal niederkämpfen.
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Alt 19.07.2010, 11:52   #10
deserd
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Linksnet, da sind bestimmt die Antideutsch-Sektierer dabei ....


Aber Hans Jürgen Krysmanski-Beiträge sind zu finden, .... softgespülte, das gebe ich zu, aber wie ist seine eigene Website ?

http://www.uni-muenster.de/PeaCon/krysmanski/

(... Jahnke gibts auch noch .....)

und die derzeitige deutsche Restlinke mit ihren 2,3 Unterströmchen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Interventionistische_Linke

Offiziell ist Die Linke da nicht dabei, aber solid.org über Verbindungen ....
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