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Alt 09.09.2009, 10:24   #11
Beverly
Schriftstellerin
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Registriert seit: 04.01.2009
Ort: Berlin
Beiträge: 995
  
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Zitat:
Zitat von Redeath Beitrag anzeigen
(...)Zumal ein Großteil der Menschen von den meisten "westlich-industriellen" Zuständen und Problemen nur träumen können aber nicht dazu kommen weil sie sich was zu beissen suchen müssen.
In unserer Welt hat sich "Schöne neue Welt" für die Reichen und "1984" für die Armen realisiert. Beides sind Formen geistiger und sozialer Verrohung, die eine subtil, die andere offen brutal.

Zitat:
Zitat von Redeath Beitrag anzeigen
Dann würde mich ja interessieren wen du mit "extreme Konservative" meinst?
All diejenigen, die meinen, dass es "früher" besser gewesen war:
- vor 1968
- vor 1917
- vor 1789
- vor Moderne und technischer Zivilisation ...

Das halte ich im Großen und Ganzen für eine Illusion. "Früher" waren nur die Fassaden besser und den einfachen Menschen fehlten die Mittel, um auf großer Skala hinter die Lügen ihrer Herren zu kommen. Wie es damals wirklich zuging, illustriert eine Aussage, die meines Wissens von Konfuzius stammt oder ihm zugeschrieben wird: Ein wahrhaftiger Geschichtsschreiber müsse damit rechnen, tot im Straßengraben zu enden. Vermutlich weil er Dinge zu berichten hätte, die sogar nicht zu all den Heldentaten von Kaisern und Königen in unseren Geschichtsbüchern passen.

Weshalb ich es auch für fragwürdig halte, zu glauben, dass das Elend erst mit der Aufklärung begonnen hat. Das Elend der Aufklärung liegt darin, dass da - wohl mit Kant als Erstem, aber schlimmer mit Hegel und Konsorten - in sich geschlossene Diskurse, "Schulen" und säkulare Orthodoxien errichtet wurden (wobei ich die kürzeren Werke von Kant noch für lesbar halte).
Zugespitzt formuliert: ich sehe in der Aufklärung keinen Bruch, sondern die Fortsetzung und finalisierung der vor-aufklärerischen Denkmuster und Herrschaftstraditionen. Wie viele neue Kaiser und Könige hat es denn in den letzten 250 Jahren gegeben? Wie viele ach so tolle "religiöse Revivals" schweinefickender Dummschwätzer ? Die Wahabiten in Saudi-Arabien, der Batschbatsch-Dreck in Indien (komme jetzt nicht auf den Namen), die Evangelikalen, die Ultraorthodoxen Natiofaschisten in Israel, die Tunte Ratzinger und die anderen Kirchenschwestern, die Talibanschwuchteln - alle berufen sich auf vormoderne, voraufklärerische Diskurse und setzen sie mit dem Mitteln der Moderne im Wortsinne bis zur Vergasung durch.
Dreck aus der bösen alten Zeit, der über den Sittenverfall der Moderne jammert.

Nachtrag: was früher besser war, war, dass es nicht so viele Menschen gab. Deutschland mit 6 Millionen Menschen um 1000 war demographisch allemal besser als der Brei heute. Aber man vergleiche trotz aller Fehler und Schwächen das moderne Neuseeland, wo auf einer Fläche so groß wie Westdeutschland 4 Millionen Menschen leben - mit jedem Gemeinwesen des Mittelalters, das eine vergleichbare Bevölkerungszahl hatte. Gibt es da ungeachtet aller Mängel des modernen Neuseelands auch nur einen Staat im Mittelalter, wo die Menschen so leben konnten wie die Neuseeländer.
Jetzt soll bitte keiner kommen und behaupten, das wäre im Jahr 1000 nicht möglich gewesen, weil - blablablablablablabla ... Sicher, die hatten noch nicht die Aufklärung, aber schon früher gab es Philosophen, Schrift, sehr solide Straßen, Kanalisation und Straßenbeleuchtung. Buchdruck hatten die Chinesen schon um 1000. Um 6 Millionen Menschen gut leben zu lassen, hätten sie IMHO außer Mechanisierung der Landwirtschaft auch viele moderne Dinge nicht unbedingt gebraucht.
Aber die Herrschenden wollten es damals nicht. So wollten damals ihre Untertanen sich im Dreck wälzen lassen und sie wollen es noch heute. Diverse o. g. Diskurse legen den Gedanken nahe, dass es beim Herrenpersonal zwar Umbesetzungen gegeben hat, sich im Kern aber gar nicht so viel geändert hat.

Geändert von Beverly (09.09.2009 um 10:31 Uhr).
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Alt 09.09.2009, 21:21   #12
Redeath
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Registriert seit: 07.08.2008
Beiträge: 26
  
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Mhhh... Ich gebe Dir recht das es auch schon vor der Aufklärung Barbarei und Unmenschlichkeit gab. Der Anspruch den sich die Bewegung der Aufklärung selbst gab war eben diese zu Überwinden. An diesem Anspruch wollen sich ja dann noch heute Menschen messen und sich auf die "Werte" der Aufklärung berufen. Das diese "Werte" dann schon kurz nach ihrer Verkündung pervertiert wurden und sich diese Pervertierung sich bis in die jetzige Zeit fortsetzt zeigt mir die "Dialektik der Aufklärung".
Anders als Du sehe ich aber in der Aufklärung keine Fortsetzung der Unmenschlichkeit im herkömmlichen Sinne sondern in einer neuen Qualität, einen Grund hast du schon selber genannt,
Zitat:
in sich geschlossene Diskurse, "Schulen" und säkulare Orthodoxien errichtet wurden
die Rechtfertigung von Gewalt als "Menschlichkeit" (das dann von den Nazis auf die Spitze getrieben wurde), die Anwendung von Gewalt im Namen Aller. Es wird nicht mehr im Namen des Königs sondern im Namen des "Volkes" gestraft womit eine kollektivschuld erzeugt wird und der/ die zu Strafende in einem höheren Maße ausserhalb der Gesellschaft steht. Andererseits sehe ich in bestimmten Aspekten der Aufklärung durchaus positives, zu allererst die Aufforderung selbst zu denken.

Pozentual wurden im letzten Jahrhundert mehr Menschen getötet als in jedem zuvor. Das als ach so gewalttätig verschriene Mittelalter war um einiges friedfertiger als manche annehmen. was in keinster Weise heisst das ich in jene Zeit zurück möchte. In verschiedensten Regionen gab es Systeme die auf ein Rätesystem beruhten (mir fällt da jetzt auf jeden Fall Island ein), wo es also eine Struktur gab die ich demokratischer finde als die heutigen.
Meine Uroma hat mal so schön gesagt "Die Tröge sind die selben nur die Schweine die fressen ändern sich". Genau das gilt es aber zu ändern. Tröge für alle...
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Alt 10.09.2009, 06:33   #13
Britta
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Zitat:
Zitat von Redeath Beitrag anzeigen
Das als ach so gewalttätig verschriene Mittelalter war um einiges friedfertiger als manche annehmen.
Darf ich OFF-Topic mal die Frage stellen, warum man das Mittelalter Mittelalter nennt?
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Alt 10.09.2009, 08:50   #14
Redeath
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Beiträge: 26
  
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Weil es zwischen Antike und Neuzeit liegt. Also eine zeitliche Einordnung...
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