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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Aber wehe, wenn ich auf das Ende sehe" - Strafszenarios für das Bürgertum



Beverly
25.11.2009, 14:14
Kennt ihr Bücher oder auch Filme, wo speziell die bürgerliche Gesellschaft im Großen oder Kleinen das wohl verdiente schimpfliche Ende ereilt? Also keine Weltuntergangs-Schmonzetten, wo es alle erwischt, sondern der Untergang für ganz bestimmte Spezies ;) .

Die Strafe im Kleinen ist als Thema der Literatur so alt wie die bürgerliche Gesellschaft. Oft halten ihr da Autoren den Spiegel vor, die jedes antibürgerlichen Extremismus unverdächtig sind. Dafür ist das, was sie schreiben, um so entlarvender und es zeugt davon, dass seit zwei Jahrhunderten auch und besonders Gutwilligen alle Illusionen abhanden kommen.

Mit dem Graf von Monte Christo (http://de.wikipedia.org/wiki/Graf_von_Monte_Christo), mir aus unzähligen Verfilmungen wohlbekannt, ist eigentlich schon zu Beginn alles gesagt. Das Werk spielt in der Zeit ab 1815 und schon da waren die Backen so, wie man sie noch heute kennt und hasst. Die Gestalten, die das Leben von Edmond Dantès zerstören, sind paradigmatisch für die bürgerliche Gesellschaft. Nur die Rache von Monte Christo steht noch aus.

Ergänzend dazu noch der um 1830 spielende Roman Glanz und Elend der Kurtisanen (http://de.wikipedia.org/wiki/Drittes_Geschlecht#Honor.C3.A9_de_Balzac:_Glanz_un d_Elend_der_Kurtisanen_.281845.29) von Balzac. Oft habe ich gedacht, dass sich in den letzten zweihundert Jahren da nichts, aber auch gar nichts geändert hat. Damals wie heute die gleiche Mischung aus Hedonismus und Bigotterie, Freigeisterei und Frömmelei, Korruption und Geschäft.

Aus Deutschland gibt es die Buddenbrooks (http://de.wikipedia.org/wiki/Buddenbrooks) von Thomas Mann über Aufstieg und Fall einer Lübecker Kaufmannsfamilie. Ich kenne die Verfilmung davon, wo dann der harte Familienpatriarch seiner Tochter den Wunschgatten verweigert und sie zur Ehe mit einem Schwindler zwingt, der prompt Pleite macht. Als die einfachen Menschen in Lübeck revoltieren, verarscht der Patriarch Buddenbrook sie, in dem er plötzlich Plattdeutsch mit ihnen redet. Am Schluss bleibt - nichts. Nicht einmal das Haus und die Tochter Buddenbrook sagt als alte Frau, jetzt habe sie nicht einmal einen Ort, wohin sie sich zurück ziehen kann.

Als Strafszenario im Großen möchte ich nennen:

"Der Landleviathan" von Michael Moorcock (http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Moorcock). Ein afrikanischer Gewaltherrscher eint zuerst mit eiserner Faust ganz Afrika und knöpft sich dann Europa und Nordamerika vor. Da spielen Rassenkonflikte und Rache für Kolonialismus mit herein, aber war und ist nciht die Ausplünderung Afrikas und die Diffamierung "schwarzer" Menschen ein Kernstück des bürgerlichen Diskurses. Noch heute jubelt das gelbbraune Pack auf Politikforen.net "Das 21. Jahrhundert wird das Jahrhundert des Rassismus". Im "Landleviathan" gibt es für solche Sprüche ein ganz gewaltiges Echo - getreu der Maxime, wer Wind sät, wird Sturm ernten.

Damit die Strafszenarien gegen die bürgerliche Gesellschaft nicht abreißen, habe ich auch einens geschrieben: Das Kommen der Großen Schlange (http://www.literaturforum.de/forum/schreibwerkstatt/4791-das-kommen-der-grossen-schlange.html), wo ein etwas ... erratischer Kult dafür sorgt, dass sie endlich in das Grab fällt, dass sie anderen geschaufelt hat. Für einfache Menschen hält sich das Grauen in Grenzen, nur sollten Familien mit Kindern den Alexanderplatz in Berlin und vergleichbare Orte in den Metropolen der Welt meiden. Weil sich dan den Pyramiden zu Ehren der großen gefiederten Schlange Quetzalcoatlus Dinge abspielen, die nicht familientauglich sind :rolleyes2: