Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hartz IV - ein langsames, leises Sterben?


sinus
10.11.2009, 20:29
Auszüge aus dem Blog von Muskelkater

http://muskelkater.wordpress.com/2009/11/10/hartz-iv-ist-totung-durch-armut/



Zusammenfassend kann man sagen:

Hartz IV ist Tötung durch Armut. Das mag sich zunächst brutal anhören, ist aber eine Tatsache. Alleine dass die wahrscheinliche Sterberate bei Erwerbslosen und Armen um ein vielfaches höher ist, als bei Arbeitenden und Normalverdienern, belegt diese Aussage.

Es ist oftmals ein langsames, leises Sterben. Es beginnt mit dem Verlust jeglicher Lebensfreude, Begeisterungsfähigkeit, Empfindungen, Interesse an Dingen, die eigentlich reizvoll wären, Es mündet oft in Desinteresse, Teilnahmslosigkeit, Lustlosigkeit, Trägheit, Depression, Kraft- und Energielosigkeit und steigert sich ,oft selbst unbemerkt, in unregelmäßiger Nahrungsaufnahme mit einem Essen, dem es an jeglichen gesunden Nährstoffen fehlt. Gesunde Ernähung ( Obst, Gemüse, Fisch u. v. m.) ist auf Grund mangelnder ökonomischer Verhältnisse gar nicht möglich. Erkrankungen kommen oft auch durch mangelnde ärztliche Vorsorge, weil oftmals nicht mal mehr die 10.-€ Praxisgebühr aufgebracht werden können. So wird Vieles schleifen gelassen, bis es oftmals zu ernsthaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt. Zahnersatz kann schon gar nicht mehr garantiert werden. Mit mangelhaftem und von Zahnlücken übersätem Gebiss kann keine dauerhafte gesunde Ernährung mehr erfolgen. Wenn nicht der Freitod gewählt wird, so sorgen schon der Verzehr von billigem Fraß für ein verfrühtes Ableben. Kummer, Sorgen, Gram und Angst sorgen für das Übrige.

...Sie sind Heimatlose im eigenen Land, in dem sie durch ein Armutsgesetz gefangengehalten werden. Welcher Hartz IV-Empfänger wird sich einmal wieder einen Urlaub leisten können, wird er jemals noch einmal in seinem Leben das Meer sehen, die Alpen besteigen können, wann wird er wieder einmal Paris, London oder San Fransisco sehen ? Und wie ist das eigentlich mit Weihnachten ? Die Sorgen der Familien mit den Eltern, die ihren Kindern aber auch jeden Wunsch abschlagen müssen, gar nicht zu vergessen. Der immer gleiche Trott, nie eine Abwechslung, nie einmal etwas schönes erleben, kein Ausflug, kein Biergarten, kein Kino, kein Theater oder Musical, kein Auto, keine uneingeschränkte Beweglichkeit , womit haben Hartz IV-Bezieher das alles eigentlich verdient?

Neue zwischenmenschliche Kontakte sind für Hartz IV-Empfänger außerhalb ihres Kreises kaum noch möglich. Sie können finanziell nirgends mithalten, ein Hartz IV-Mann kann eine Frau, falls sie sich überhaupt mit ihm abgibt, kaum zum abendlichen Essen in ein schönes Lokal einladen. Von anderen Dingen ganz zu schweigen. In einer von Konsum orientierten Welt, kann ein Hartz IV-Empfänger überhaupt nicht mehr bestehen. Er muss mit den selben Regeln leben, muss den selben Wettkampf bestreiten und wird doch an seinem Fortkommen so brutal gehindert. Vermittlungen durch Job-Center finden überhaupt nicht statt, und findet mal ein Hartz IV-Empfänger eine der seltenen Chancen eine feste Arbeit ohne Abhängigkeit von staatlichen Transferleistungen zu bekommen, werden ihm mit allen Mittel vom Job-Center Steine in den Weg gelegt. Job-Center sind in Deutschland nichts anderes als Job-Verhinderungscenter und Handlanger der Industrie – und Wirtschaft. Das einhalten von Gesetzen und Regeln ist nicht ihr Ding. Und da fragt sich noch einer, was das mit den Betroffenen macht?

Sind die Hartz IV-Emfpänger nicht die wirklichen Leistungsträger dieser Gesellschaft? Sie ermöglichen durch ihren Zwangsverzicht einer Gesellschaft, die sie verstößt und an ihnen verdient, doch erst, dass sie diese Leistungen und Gewinne erbringen können. Hartz IV-Emfänger sind nicht die Wunschkinder dieser Gesellschaft, und so werden sie auch behandelt, wie ungewollte, ungeliebte Kinder.

sinus
10.11.2009, 20:34
Was ich darüber denke;-)

Diese Gedanken, von Muskelkater sehr einfühlsam und treffend - wie ich finde - zusammengefasst, hatte ich in den letzten Tagen auch!

Es KANN eine Chance sein, so blöde das jetzt bei vielen klingt:

Es KANN eine Chance sein, WERTE RICHTUNG einer lebenswerteren Welt zu verschieben!

Möchte man wirklich arbeiten gehen - viell.sogar einen Job ausüben, der einem nicht so richtig entspricht? Tag ein, Tag aus, ein Leben lang in der Mühle? Möchte man wirklich all die umwelt- und lebenszerstörerischen Jobs hochhalten, bis zum Erbrechen, um Geld zu bekommen? Um ein Leben zu finanzieren, was in die Schieflage geraten ist, durch Zerstörung von Leben und Lebensqualität in einem nachhaltigen Sinne?
Wieviele Autos, nach altem Schema wollen 'wir' noch? Wieviele Gifte wollen wir noch in unserer Nahrung, in unserem Umfeld herstellen? Dann essen wir heute und sterben morgen? Ist das das Ziel?

Freedom is when there's nothing left to lose..

Wenn man FAST nichts mehr zu verlieren hat, ist das auch eine Chance, völlig neu anzufangen, denke ich.

Ich kann das Geschrei, den Schmerz und die Hilflosigkeit verstehen, denn wir wurden Richtung Konsum und infantiler Abhängigkeit erzogen;-) U. plötzlich ist das Milchfläschchen nicht mehr da und man droht zu verhungern. Ist das Konsumleben denn Freiheit? Es zerstört unsere Lebesgrundlage und das nicht nur ökologisch, sondern vor allem soziologisch;-) Egomanisch, neurotische, verlorene und gierige Menschen, die sich selbst schon lange nicht mehr haben und dann nimmt man ihnen ihr Spielzeug weg. Geschickt;-) Jetzt sind sie ENTWEDER perdue ODER es geht RICHTIG los!

Es ist grotesk, denn viele Wahrheiten sind ganz einfach:
Warum gehen nicht viele Menschen, die Hunger haben, in den Wald und sammeln Nüsse? Käuter, ÄPFEL? Es gibt zu Hauf dieses Jahr. Das ist viel gesünder, als das Essen in den Kantinen, weil es frisch und natürlich ist;-)
Es ist ein psychologisches Defizit;-)
Degenerierte Kreativität, geistige Beweglichkeit und Eigeninitiative?

Unsere Macht gibt uns Fische und lehrt uns nicht zu fischen;-)

Man kann sich für wenig Geld ein Stück Land pachten und sein eigenes Gemüse essen. Das ist nicht teuer. Man kann so vieles machen. Bitte reduziert doch ein Problem nicht auf die Opferhaltung;-) Versucht aus jedem Problem eine Chance zu mehr Freiheit zu machen, mehr Lebensqualität durch Eigenverantwortung;-)

Wenn ihr euch nicht löst von denen da oben, werdet ihr sterben. Wenn ihr bettelt, um Zuwendung, die ihr nicht bekommen werdet, werdet ihr sterben. Löst euch von den Versorgern und kommt auf die eigenen Beine, mögen sie krumm sein, wie sie wollen;-)