Iphigenie
28.01.2009, 20:12
Todespfeile aus Israel vom 29.01.2009 Junge Welt
Von Rüdiger Göbel
Die israelische Armee hat während des dreiwöchigen Gaza-Krieges
neben Phosphorbomben auch andere Waffen einsetzt, deren
Verwendung in dichtbesiedelten Gebieten laut Genfer Konvention
verboten ist. Nach Angaben der internationalen Menschenrechts-
organisation Amnesty International wurden die rund 1,5
Millionen Palästinenser im Gazastreifen unter anderem mit
sogenannten Flechettes attackiert. »Flechettes« sind vier
Zentimeter große Metallpfeile mit einer scharfen Spitze und vier
Flügelchen am Rumpf. Aufgrund ihrer Konstruktion haben sie
eine enorme Durchschlagskraft. Zwischen 5000 und 8000 solcher
pfeilförmigen Projektile werden in eine 120-Millimeter-Granate
gepackt, die von Panzern verschossen werden. Die Geschosse
explodieren in der Luft und streuen die Pfeile mit Hochgeschwindigkeit
über ein 300 mal 100 Meter großes Gebiet. »Flechettes« sind
keine Präzisionswaffe gegen feindliche Kämpfer. Als Antipersonenwaffen
sollen sie vielmehr wie Splitterbomben möglichst viele Menschen auf
einmal schwer verletzen oder töten. Ihr Einsatz in bewohnten
Gebieten ist nicht erlaubt, betont Amnesty.
Fact-Finding-Teams der Menschenrechtsorganisation haben in
den vergangenen Tagen an mehreren Orten in Gaza Beweise für
den illegalen israelischen Waffeneinsatz gefunden. In Izbat Beit
Hanoun wurden demnach gleich mehrere Flechette-Granaten auf
die Hauptstraße gefeuert. Wafa Nabil Abu Jarad, eine 21jährige
Schwangere und Mutter zweier Kinder, wurde dabei am 5. Januar
getötet. Mehrere Familienmitglieder wurden durch Pfeilprojektile
verletzt. Am gleichen Tag wurde im selben Dorf der 16jährige Jaber
Abd Al-Dajem von einem Pfeil am Nacken getroffen. Er erlag drei
Tage später seinen Verletzungen. Sein Bruder Mizar liegt mit
einer feststeckenden »Flechette« im Rücken im Krankenhaus. Am
7.Januar wurden laut Amnesty in Al-Muqharaqa Atta Hassan Aref
Azzam und seine Kinder Mohammed (13) und Hassan (2) von
»Flechettes« tödlich verletzt. Die Wand hinter ihnen war einer
Dartscheibe gleich voller kleiner Pfeile.
Bei der israelischen Militäroffensive zwischen dem 27. Dezember
und dem 18. Januar wurden mehr als 1300 Palästinenser getötet
und weitere 5000 verletzt. Laut UNO kümmern sich die
Krankenhäuser weiterhin um eine große Anzahl von Patienten
auf Intensivstationen. Der Nothilfekoordinator der Vereinten
Nationen, Untergeneralsekretär John Holmes, verglich das Gebiet
nach dem dreiwöchigen israelischen Bombardement mit einem
»riesigen Freilichtgefängnis ohne Normalität und Menschenwürde«.
Vor dem UN-Sicherheitsrat bekräftigte er, die Palästinen-
ser bräuchten »massive humanitäre Hilfe« zum Überleben und zum
Wiederaufbau ihrer Wohnhäuser. 90 Prozent seien auf Nahrungsmittel-
hilfe angewiesen, so Holmes. Für eine angemessene Versorgung sei
die Öffnung aller Grenzübergänge zwischen Israel und dem
Gazastreifen notwendig.
Israels Regierung beriet am Mittwoch erneute Attacken auf
Gaza. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte einen geplanten
Besuch in Washington ab. Bereits in der Nacht hatte die Armee
das palästinensische Grenzgebiet zu Ägypten bombardiert. Am
Dienstag waren bei einem Hamas-Angriff ein israelischer Soldat
getötet und drei weitere verletzt worden. Die neue Eskalation
setzt pünktlich zu den ersten Gesprächen des US-Sondergesandten
für den Nahen Osten, George Mitchell, ein.
Von Rüdiger Göbel
Die israelische Armee hat während des dreiwöchigen Gaza-Krieges
neben Phosphorbomben auch andere Waffen einsetzt, deren
Verwendung in dichtbesiedelten Gebieten laut Genfer Konvention
verboten ist. Nach Angaben der internationalen Menschenrechts-
organisation Amnesty International wurden die rund 1,5
Millionen Palästinenser im Gazastreifen unter anderem mit
sogenannten Flechettes attackiert. »Flechettes« sind vier
Zentimeter große Metallpfeile mit einer scharfen Spitze und vier
Flügelchen am Rumpf. Aufgrund ihrer Konstruktion haben sie
eine enorme Durchschlagskraft. Zwischen 5000 und 8000 solcher
pfeilförmigen Projektile werden in eine 120-Millimeter-Granate
gepackt, die von Panzern verschossen werden. Die Geschosse
explodieren in der Luft und streuen die Pfeile mit Hochgeschwindigkeit
über ein 300 mal 100 Meter großes Gebiet. »Flechettes« sind
keine Präzisionswaffe gegen feindliche Kämpfer. Als Antipersonenwaffen
sollen sie vielmehr wie Splitterbomben möglichst viele Menschen auf
einmal schwer verletzen oder töten. Ihr Einsatz in bewohnten
Gebieten ist nicht erlaubt, betont Amnesty.
Fact-Finding-Teams der Menschenrechtsorganisation haben in
den vergangenen Tagen an mehreren Orten in Gaza Beweise für
den illegalen israelischen Waffeneinsatz gefunden. In Izbat Beit
Hanoun wurden demnach gleich mehrere Flechette-Granaten auf
die Hauptstraße gefeuert. Wafa Nabil Abu Jarad, eine 21jährige
Schwangere und Mutter zweier Kinder, wurde dabei am 5. Januar
getötet. Mehrere Familienmitglieder wurden durch Pfeilprojektile
verletzt. Am gleichen Tag wurde im selben Dorf der 16jährige Jaber
Abd Al-Dajem von einem Pfeil am Nacken getroffen. Er erlag drei
Tage später seinen Verletzungen. Sein Bruder Mizar liegt mit
einer feststeckenden »Flechette« im Rücken im Krankenhaus. Am
7.Januar wurden laut Amnesty in Al-Muqharaqa Atta Hassan Aref
Azzam und seine Kinder Mohammed (13) und Hassan (2) von
»Flechettes« tödlich verletzt. Die Wand hinter ihnen war einer
Dartscheibe gleich voller kleiner Pfeile.
Bei der israelischen Militäroffensive zwischen dem 27. Dezember
und dem 18. Januar wurden mehr als 1300 Palästinenser getötet
und weitere 5000 verletzt. Laut UNO kümmern sich die
Krankenhäuser weiterhin um eine große Anzahl von Patienten
auf Intensivstationen. Der Nothilfekoordinator der Vereinten
Nationen, Untergeneralsekretär John Holmes, verglich das Gebiet
nach dem dreiwöchigen israelischen Bombardement mit einem
»riesigen Freilichtgefängnis ohne Normalität und Menschenwürde«.
Vor dem UN-Sicherheitsrat bekräftigte er, die Palästinen-
ser bräuchten »massive humanitäre Hilfe« zum Überleben und zum
Wiederaufbau ihrer Wohnhäuser. 90 Prozent seien auf Nahrungsmittel-
hilfe angewiesen, so Holmes. Für eine angemessene Versorgung sei
die Öffnung aller Grenzübergänge zwischen Israel und dem
Gazastreifen notwendig.
Israels Regierung beriet am Mittwoch erneute Attacken auf
Gaza. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte einen geplanten
Besuch in Washington ab. Bereits in der Nacht hatte die Armee
das palästinensische Grenzgebiet zu Ägypten bombardiert. Am
Dienstag waren bei einem Hamas-Angriff ein israelischer Soldat
getötet und drei weitere verletzt worden. Die neue Eskalation
setzt pünktlich zu den ersten Gesprächen des US-Sondergesandten
für den Nahen Osten, George Mitchell, ein.