Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "No future" oder "Große Schlange", rot oder braun oder rotbraun - unsere "Zukunft"?


Beverly
30.07.2009, 20:27
Letzte Woche habe ich ein Schreibprojekt ins Netz gestellt, das mich in normalen Zeiten vermutlich für lebenslanges Wohnrecht auf "Bonnies Ranch"* qualifizieren würde. In

Das Kommen der Großen Schlange (http://www.literaturforum.de/forum/schreibwerkstatt/4791-das-kommen-der-grossen-schlange.html)

lassen geisteskranke Irre die Menschenopfer der Azteken (die heutigen Indianern zuwider sind, da sie in Mittelamerika oft Katholiken sind) wieder aufleben. Mit Drogen und Geld breitet sich ihr geisteskranker Kult zuerst in Amerika aus und kommt auch nach Deutschland.

Bruno Etterling, der letzte Kanzler der BRD, macht eine Politik gemixt aus Hardcore-Neoliberalismus mit bigottem Rechtskonservatismus und revanchistischen Ideen. So wollen Schlauköpfe in seinem Umfeld die durch o. g. "Kult" bewirkte Schwächung der USA dazu nutzen, von Polen die ehemaligen deutschen Ostgebiete zurück zu fordern. Weil die USA nicht mehr die Macht haben, solchen Unfug zu unterbinden.
Es kommt allerdings anders: der Kult der Großen Schlange fegt in wenigen Monaten Kanzler Etterling und seine reaktionäre Regierung ebenso hinweg wie die bisherigen Religionen und tausend Jahre alter und schlechter Herrschaftstraditionen. Die "Quetzals" errichten eine Schreckensherrschaft mit barbarischen Lynchmorden an den "Dienern der Alten Ordnung" ...

... wie gesagt, in normalen Zeiten ist das alles geisteskrank, aber die Zeiten sind nicht normal! In der Erzählung müssen selbst Menschen, denen es in der Alten Ordnung gut ging und die die Quetzals hassen und verachten einsehen, dass das bisherige System zum Scheitern verurteilt war bzw. seine Fortsetzung zu einem noch größerem Horror geführt hätte als den im Reich der Großen Schlange. Weil dieser Horror subtiler und länger eingeübt ist als das wahnwitzige Treiben der Quetzals.

*Berliner Slang für die Karl-Bonhöffer-Nervenklinik in Berlin

Das führt zu der Frage:

Welche Zukunft haben wir?

1. Weiter so und gut so, weil man zu den "Gewinnern" gehört
2. Weiter so und "no future", weil man kein "Gewinner" ist
3. Weiter so, aber als offene Diktatur ("deutscher Pinochet")
4. eine rechtsextreme Diktatur - "Drittes Reich, zweiter Versuch"
5. eine bolschewistische Diktatur - "Oktoberrevolution, zweiter Versuch"
6. eine rotbraune Diktatur ("Nationalrevolutionäre")
7. ein Umsturz mit neuen Ideen und Konzepten, wie immer die aussehen mögen - "Große Schlange", "Perry Rhodan"
8. etwas Anderes

Beverly
30.07.2009, 20:47
Ich habe mich für Folgendes entschieden:

2. Weiter so und "no future", weil man kein "Gewinner" ist

Das System wie wir es jetzt haben, reduziert sich immer mehr darauf, nur noch die Interessen einer saturierten und degenerierten Minderheit wahrzunehmen.

Je nach Stimmung ist mein Frust so groß, dass ich auch auf altbackene Weise loswerden will:

5. eine bolschewistische Diktatur - "Oktoberrevolution, zweiter Versuch"
6. eine rotbraune Diktatur ("Nationalrevolutionäre")

Die Chancen für einen roten oder rotbrauen Umsturz gehen aber gegen Null und das ist wohl gut so. Genossen und Kameraden haben schlicht eine viel zu große Nostalgie für ihre Projekte aus dem 20. Jahrhundert, wo sie fast nur Mist bauten und über 100 Millionen Tote hinterließen. Dass es mal ernsthafte Gründe gab, aus Frust oder Verzweiflung über das reaktionäre bürgerliche System zum Extremisten zu werden, haben Nazis und Stalinisten vergessen gemacht. Im Gegenteil: diese Brut hat jedes ernsthafte radikale Anliegen in kräftigen Farben und mit wirksamen Kontrasten - weißer Kreis auf rotem Feld :D - für immer diskreditiert. Nachdem sie Eurasien in einen Friedhog verwandelt haben, haben Nazis und Stalinisten/Maoisten obendrein dafür gesorgt, dass zwischen Magdeburg und Peking wieder jene bürgerlich-kapitalistische Ordnung ist, die schon vor hundert Jahren hätte entsorgt werden müssen.

Da bleiben nur diese beiden Dinge:

7. ein Umsturz mit neuen Ideen und Konzepten, wie immer die aussehen mögen - "Große Schlange", "Perry Rhodan"

Bei den "neuen Konzepten" eben in der Art des Kultes der Großen Schlange habe ich aber die Befürchtung, dass da genau jene Dinge eine wichtige Rolle spielen werden, vor denen mir graust: Gewalt und Hetze, Lynchmorde an den Nutznießern des Vorgängersystems und abartigen Formen der Manipulation. Selbst wenn die Menschheit Ideologien und Systeme loswerden mag, die zu ihrem Leichentuch zu werden drohen, kann oder muss so eine Umwälzung einigermaßen heftig werden.

8. etwas Anderes

Geht ein grundlegender und tiefgreifender Systemwechsel auch ohne Gewalt und Zerstörung? Wenn ja, bitte schreiben.

oloool
30.07.2009, 22:12
Bei den "neuen Konzepten" eben in der Art des Kultes der Großen Schlange habe ich aber die Befürchtung, dass da genau jene Dinge eine wichtige Rolle spielen werden, vor denen mir graust: Gewalt und Hetze, Lynchmorde an den Nutznießern des Vorgängersystems und abartigen Formen der Manipulation. Selbst wenn die Menschheit Ideologien und Systeme loswerden mag, die zu ihrem Leichentuch zu werden drohen, kann oder muss so eine Umwälzung einigermaßen heftig werden.


Wenn es aber keine heftige Umwälzung ist, die es ohnehin nicht sein kann, etwas Gesundes wächst langsam, könnten wir ein wenig Hoffnung haben. ;)

Ich denke da wächst schon etwas.
Zumindest die Megaphone von anderen Ufern werden lauter.
Und so manch Honigstimme hat nun schon Kratzer...