Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wer will gern Polit-Verbrecher sein?


Beverly
10.07.2009, 00:06
Habt ihr manchmal Fantasien, wo euch die "Schurken" lieber als die "Guten" sind? So nach dem Motto: die bürgerlichen Medien schimpfen so lange über die pösen Bolschewiki, bis man selbst am liebsten Lenin (oder Lena) wäre. Obwohl man den Kerl früher nicht gemocht hat!
Wobei es noch Schlimmeres als Lenin gibt, aber Geschmacklosigkeiten wie A. H., Stalin und Mao oder Paul Mu'ad Dib Atreides erspare ich euch. Gefragt ist der ehrliche Schurke mit Stil und da manche meiner Wahlvorschläge fiktiv sind, stelle ich sie ins Literaturforum.

Zur Auswahl stehen:

1. W. I. Lenin, mit bürgerlichem Namen Uljanow. Er ließ sich seinen Umsturz 1917 von den Deutschen sponsorn und bereitete schon nach wenigen Monaten dem bürgerlichen Spuk in Russland ein Ende. Wie richtig er damit gehandelt hat, zeigt das Scheitern einer bürgerlichen Entwicklung in Deutschland und die Zustände in Russland nach dem Ende des Staatssozialismus.
Allerdings entwickelte er sich zum roten Tyrannen und selbst wenn es durchaus Kräfte gab, für die ein GULAG am Eismeer genau das Richtige war :) so fielen seiner Diktatur auch Menschen zum Opfer, die es nicht verdient haben. Zudem brach er in der Praxis und ganz zu Recht mit dem Marxismus und v. a. dem marxistischem Geschichtsfahrplan, spielte sich in der Theorie (wo Rosa Luxemburg IMHO fitter war als er) als Hohepriester jenes Marxismus auf, den er zuwider handelte. Chaos perfekt und dann war er auch noch so blöd, kurz nach der Oktoberrevolution zu sterben!

2. Dschinghis Khan Mao II. Er treibt sein Unwesen in dem Roman "Schadrach im Feuerofen" von Robert Silverberg. Das Szenario ist recht einfach: nach dem Dritten Weltkrieg sind die Mächte unserer Zeit zusammengebrochen. Da der Krieg auch mit biologischen Waffen geführt wurde, leiden viele Menschen an einer unheilbaren Krankheit, die mit Lepra vergleichbar ist. Dschinghis Khan Mao II. hält sich für die Reinkarnation von Dschinghis Khan und Mao und wird seinen Vorbildern durchaus gerecht. Er hat die ganze Welt erobert und die Menschheit unter seiner Herrschaft vereint und IMHO weil es noch die am wenigsten schlechte Möglichkeit ist, das Modell von Rotchina auf die ganze Welt übertragen.

3. Benito Mussolini hatte IMHO durchaus viel versprechende Aspekte. Er zeigt by the way, das aus einem Rechten nur dann mehr als Abfall werden kann, wenn er auch Elemente der Linken in seinen Dikurs aufnimmt. Postiv waren sein Rekurs auf die lange und glanzvolle Geschichte Italiens bzw. der Römer, seine Gegnerschaft zur bürgerlichen Demokratie und seine anfängliche große Distanz zu Hitler, über den er sagte: "Er gefällt mir nicht."
Negativ waren seine Kriegstreiberei schon im ersten Weltkrieg und sein IMHO ekelhaftes Gebaren als Kriegsherr in Libyen, Äthiopien und dem WK II. Zu Recht haben ihn die Libyer in einem Film über einen Aufstand als Großmaul vorgeführt. Benito hat nie begriffen, dass die Zeiten des römischen Reiches vorbei sind und er sich bei seinem Rekurs auf die italienische Kultur besser auf ihre zivilen Seiten hätte beschränken sollen.

4. Marschall Bount Terhera diente in "Perry Rhodan" als Nebenfigur. Er ist als Marschall Kommandant eines Flottenverbandes von Raumschiffen und bei den Wahlen zum Großadministrator im Jahr 3444 Gegenkandidat von Perry Rhodan. Bount Terhera meint, dass die Menschheit über allem anderen im Kosmos stehe und man bei der Durchsetzung ihrer Interessen keine Skrupel haben dürfte. Seine Skrupellosigkeit und Verfahrestricks, mit denen er Großadministrator werden und die Milschstraße erobern will, nützen ihm aber nichts! Wegen der einen oder anderen Straftat kann er froh sein, nach verlorener Wahl mit eingekniffenem Schwanz als Makler weiter arbeiten zu dürfen.
Wie alle Polit-Verbrecher mit Stil hat Bount Terhera gute Seiten, die ihn aber nur noch schlechter machen. Er hat durchaus Recht, die Menschheit über alles zu stellen und bei der Durchsetzung dieses Prinzips nicht der gute Verlierer sein zu wollen. Er irrt aber darin, Außerirdische als Feinde der Menschheit zu betrachten, die man bekämpfen oder erobern kann. Der größte Feind der Menschheit ist sie selbst!

5. Katharina die Große eine kleine deutsche Adlige, die ihren Mann und russischen Zaren Peter beseitigte, um selbst zu herrschen! Standesgemäß Leichen im Keller, Party in Petersburg, stramme Kerle und ein riesiges Reich zum Unterdrücken - was will frau mehr :) ?
Allerdings war das ganze Reich mit 10 000 Kilometern Ausdehnung und Millionen Menschen kaum mehr als Katharinas Privatbesitz und ihr Spielfeld. Was viele Russen von ihrer Party-Queen hielten, wird an einem Aufstand deutlich, der ihr laut Geschichtsbuch "sehr gefährlich" wurde. Vermutlich waren ihr die einfachen Menschen - wenn sie nicht gerade revoltieren - schlicht egal.

6. Mirona Thetin hat auch einen gewissen Reiz. Man stellte sich folgendes Szenario vor: eine mutmaßlich verwöhnte Trine schart in einem an seiner Korruption krankenden, oligarchischem System Verschwörer um sich und beschließt: "Wir reißen die Macht an uns!" Und das funktioniert dann auch noch und weil uns Mirona lieber auf geheimnisvoll macht, nennt sie ihre Clicque "Meister der Insel". Sich selbst lässt sie mit "Faktor I" anreden und erscheint sogar ihren Spießgesellen nur als Symbol auf einem Bildschirm.
Hat irgendwie was für sich, zumindest als Strafszenario für all die anderen Klüngel, die beim Aufstieg von Mirona und ihrer Bande liquidiert werden. Und mit Mordbefehlen für den einen oder anderen Polit-Kasper würde Faktor I sogar bei mir auf offene Ohren stoßen.
Allerdings leidet das Projekt an einer geradezu pathologischen Menschenverachtung. Die jetzt schon grenzenlose Ichsucht und Machtgier als Selbstzweck realer Klüngel werden ins Gigantische übersteigert. Dass Faktor I ihren Untertanen eine Größe bietet, die ich in der realen Welt mit ihrer Banalität des Bösen nirgends sehen, täuscht nicht über den kranken Charakter ihres Projektes hinweg.

7. General von Schleicher plante in der Endphase der Weimarer Republik, die Macht an sich zu reißen. Helfen sollte ihm dabei das Militär, Teile der Arbeiterbewegung und NSDAP-Kader um Gregor Strasser, die gegen den Hitler-Flügel waren. Weil seine Pläne vereitelt und von Schleicher selbst ermordet wurde, konnte er nicht zum Polit-Verbrecher im eigentlichen Sinne werden. Schade eigentlich ... aber der Nicht-Verbrecher Schleicher zeigt auch die Mängel des Ehrenmannes: Man ist der "gute Verlierer", der sich dann auch noch selbst umbringen lassen darf. Na danke :rolleyes2:

8. Claire Zachanassian ist die Hauptfigur des Dramas "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt. Sie ist eine Milliardärin, die nach vielen Jahren in ihre Heimatstadt zurückkehrt. Der Empfang für Claire ist oberflächlich herzlich - immerhin hat es das Mädel zu viel Geld gebracht :) - aber unterschwellig dominieren Angst und schlechtes Gewissen. Denn Claire wurde seinerzeit als junge Frau vergewaltigt und mit Schimpf und Schande davongejagt!
Sie ist auch nicht für Bla Bla in ihre Heimatstadt gekommen, sondern will Gerechtigkeit. Oder ist es Rache? Denn Claire bietet ihrer bankrotten Heimatstadt Sanierung und Wohlstand an, wenn die Bürger den Vergewaltiger zum Tode verurteilen! Dadurch demütigt sie nicht nur ihren Peiniger von einst, sonder auch all die feigen Spießer, die ihr damals nicht halfen und sie noch davonjagten! Denn die sind nun zu feige, gegen Claires Rachepläne zusammen zu stehen und es gibt massive Bestrebungen, den Vergewaltiger zum Tode zu verurteilen. Nicht aus plötzlich erwachten Gerechtigkeitsgefühl, sondern weil es Geld dafür gibt!
Claire Zachanassian drückt das aus, was auch bei meinem Interesse an anderen - und schlimmeren! - Charakteren mitschwingt. Man (oder frau) wird zum Verbrecher oder wendet - wie Claire - verbrecherische Methoden an, weil man die dem entgegen stehende Moral als falsch ansieht. Claire Zachanassian beschränkt sich im Gegensatz zu den Anderen dabei auf das Wesentliche: die bigotten Bürger ihrer Heimatstadt! Sie vermeidet es, Menschen (oder andere Wesen) leiden zu lassen, die das nicht verdient haben! Zugleich legt sie bei ihren Methoden eine herzerfrischende Skrupellosigkeit an den Tag. Schließlich haben alle ihren Preis :)

9. Friedrich II. "der Große" von Preußen regierte einen Staat, den es nur gab, weil Leute wie er ihn haben wollten. Als Machtinstrument und Quelle von Ressourcen, um als Hochadliger auf Kosten seiner Mitmenschen gut leben zu können! Ein Freund von mir hat erzählt, Friedrich II. habe seine Kriege durch das Prägen von Falschmünzen finanziert. Er stand wohl nicht nur militärisch, sondern auch wirtschaftlich manchmal dicht vor dem Aus! "Das Wunder des Hauses Brandenburg", als im Krieg gegen Russland die Zarin Elisabeth wunderbarerweise verstarb und ihr Nachfolger Peter aus der antipreußischen Allianz ausscherte.
Meines Wissens waren seine Mitmenschen für Friedrich nur zu oft "Kanaillen" und so behandelte er sie als Soldaten oder Leibeigene dann auch. Preußen mag durchaus innovativ gewesen sein, aber es galt unter Herrschern wie ihm auch als Hort der Unfreiheit.

Beverly
10.07.2009, 00:35
Lenin hat mit der bürgerlichen Gesellschaft getan, was getan werden muss: sie zu beseitigen, fertig aus!

Als ich von Dschinghis Khan Mao II. las, war die BRD noch ein sozialer und demokratischer Rechtsstaat und ich dachte damals: SO einen Sch... mit SO einem Irren brauchen wir nicht! Aber heute ist die globalisierte Welt so daneben, dass mir seine Diktatur fast wie eine "offene Gesellschaft" erscheint. Besser eine einige Welt unter einem Tyrannen als eine zerrissene Welt unter dem Joch unzähliger kleiner Tyrannen?

Marschall Bount Terhera ist in seiner Welt das Arschloch und der Gegenspieler der Lichtgestalt "Perry Rhodan". Würde er im September bei den Bundestagswahlen antreten, hätte er meine Stimme und auch sonst meine Unterstützung!

Claire Zachanassian bringt zum Ausdruck, dass man Gerechtigkeit nicht mit verlogenen Spielregeln durchsetzen kann. Sie zeigt aber auch, dass selbst mit allen Mitteln durchgesetzte Gerechtigkeit sich nicht gegen Umschuldige richten darf.

otix_
10.07.2009, 06:53
fehlt da nicht einer :kopfkratz:;)

Beverly
11.07.2009, 09:59
fehlt da nicht einer :kopfkratz:;)

Sogar zwei :)

10. Abraham Lincoln, der die Einheit der USA um jeden Preis erhalten wollte und sein Ziel auch erreichte. Im Sezessionskrieg von 1861-65 tat er, was getan werden musste, nur war er so dumm, sich danach ermorden zu lassen.
Ohne Lincoln gäbe es in Nordamerika vielleicht das gleiche Elend wie in der Mitte und im Süden des Doppelkontinentes. Von daher kann ich seine Politik verstehen und halte ihn zu Recht für vielleicht den einzigen wirklich großen Präsidenten der USA. Weil er weder der gute Verlierer war, als es zwischen 1861-63 für die Union im Sezessionskrieg eher besch... aussah. Weil er im Gegensatz zu vielen seiner Nachfolger nicht in Übersee gegen unterlegene Gegner kämpfte, sondern im eigenen Land gegen einen gleichwertigen Gegner.

11. Julius Cäsar hatte wie Lincoln den Fehler begangen, sich ermorden zu lassen. Wobei nicht seine Aktivitäten zu Lebzeiten, sondern seine Ermordung das Ende der römischen Republik besiegelten.

12. Julian "Apostata", von 361 bis 363 römischer Kaiser. Schon ehe er Kaiser wurde, sagte er sich vom Christentum los und versuchte, den Einfluss der Kirche zurück zu drängen. Es hat leider nicht geklappt und Julian fiel auf einem Feldzug gegen die Perser.

Beverly
11.07.2009, 10:09
Ich will mich dann in der ergänzten Liste noch ausdrücklich zu Abraham Lincoln bekennen. Meine Gründe: er hatte ein Ziel - "preserve the Union" - das angesichts der Alternative "lateinamerikanischer Verhältnisse" auch in Nordamerika richtig war. Obwohl er mit Sherman einen geistigen Wegbereiter des "totalen Krieges" in seinen Reihen hatte, kämpfte Lincoln selbst nicht aus Hass oder Vernichtungsstreben gegen die Südstaaten, sondern weil ihre Führung einen von ihm als falsch betrachteten Weg einschlug.
Lincolns Handeln zeigt, dass man Geschichte nicht als Schicksal hinnehmen muss, sondern bestimmte Dinge durchaus abwenden kann. Seine Ermordung und der unselige Weg, den die USA danach einschlugen, zeigt allerdings auch, wie vorsichtig man dabei sein muss.

oloool
14.07.2009, 22:02
fehlt da nicht einer :kopfkratz:;)

Ja, mein Lieblingsschurke:

Der Untertan.
Jener nämlich, der Macht über sich ergehen lässt
und aus lauter Naivität zum Handlanger von Maulhelden wird.

Es ist ein Geben und Nehmen.



PS: Stelle gerade fest, dass ich die Frage nicht 'verstanden' habe.
Es ging ja um das Gutfinden... Ziehe meine Antwort zurück.

Beverly
15.07.2009, 16:46
Ja, mein Lieblingsschurke:

Der Untertan.
Jener nämlich, der Macht über sich ergehen lässt
und aus lauter Naivität zum Handlanger von Maulhelden wird.

Es ist ein Geben und Nehmen.

Sehr gut erkannt.

PS: Stelle gerade fest, dass ich die Frage nicht 'verstanden' habe.
Es ging ja um das Gutfinden... Ziehe meine Antwort zurück.

Egal ob du den "Untertan" gut findest oder nicht, du hast mit ihm jedenfalls den häufigsten Schurken aufgezeigt und den, unter dem wir am meisten leiden. Weil es nur wenige große, aber viele kleine Arschlöcher gibt :mad:

Cheops
15.07.2009, 18:53
Der Untertan ist ja wohl eher ein Synonym für die Sammlung der schlechtesten Eigenschaften der Spießbürger und Mitläufer in jedem System. Er steht mit Diederich Heßling für das Kaiserdeutschland genauso, wie George W. Bush für die USA und Angela die Nutzlose, Merkel für das neue Deutschland.

http://cheopsnet.de/img/44dc38ec57f38ff207db8ebad6de510e.jpg

Beverly
15.07.2009, 19:50
Der Untertan ist ja wohl eher ein Synonym für die Sammlung der schlechtesten Eigenschaften der Spießbürger und Mitläufer in jedem System. Er steht mit Diederich Heßling für das Kaiserdeutschland genauso, wie George W. Bush für die USA und Angela die Nutzlose, Merkel für das neue Deutschland.

http://cheopsnet.de/img/44dc38ec57f38ff207db8ebad6de510e.jpg

Das ist zweifellos richtig! Aber so wie Heinrich Mann für das Kaiserreich nicht Kaiser Wilhelm selbst, sondern Diderich Heßling zum Untertanen und wesentlichen Träger des Systems machte, sind es für die USA nicht Bush und für Deutschland nicht Merkel.
Wer in Amiland das Gegenstück zum Diderich Heßling ist, kann ich nicht sagen.
In Merkeldeutschland sind mir schon einige Kandidaten über den Weg gelaufen, aber denen hat noch niemand so ein (Arsch-)Gesicht gegeben, wie es Mann mit Heßling tat.

Cheops
15.07.2009, 19:56
Werner Peters war auch ein, von der DEFA ziemlich gut ausgesuchter Diederich Heßling, der ganze Generationen von Mitläufern zu verkörpern wusste:

http://www.filmmuseum-potsdam.de/images/7762_9514_KopfUntertan.jpg
Da steckt schon die Merkel und der Westerwelle drin...

oloool
15.07.2009, 21:05
Der Untertan ist ja wohl eher ein Synonym für die Sammlung der schlechtesten Eigenschaften der Spießbürger und Mitläufer in jedem System. Er steht mit Diederich Heßling für das Kaiserdeutschland genauso, wie George W. Bush für die USA und Angela die Nutzlose, Merkel für das neue Deutschland.




Ich stimme Dir mal gnadenlos zu. Nur Spießbürger sind viele,
auch die, die nur maulen...

__

Die Fahne der Tyrannei ist treulos.
Wenn IHR euch besser fühlt, wenn das Kind "Sozialismus" heißt,
dann benennen WIR es eben um...

Wenn IHR Frieden wollt, dann bezeichnen WIR den Krieg eben als Terrorkampf oder Schweinegrippe oder Revolution.

Wenn IHR denkt, das Bush oder Merkel (oder ...) das ganze Problem sind,
dann feuern WIR ihn/sie eben. Und IHR bekommt schönere Götzen.

WIR machen was EUCH gefällt. Nur damit IHR EUCH gut fühlt. :irre:
Denn IHR macht uns ein komfortables Leben, wirklich komfortabel! :happy:
Vergesst 80% Staatsquote. Die 4/5 EURES fleißigen Daseins braucht IHR ja gar nicht. :p WIR kaufen EUCH geile Drogen (Medikamente/Versicherungspflicht) und leckeres Futter (McDonalds/Gentech) und versorgen EUCH auch noch mit Dummheit (Schulpflicht/TV...) und Gesetzen, "einer öffentlichen Meinung", den Käfig den wir alle begehren... ;)

deserd
15.07.2009, 21:36
Ja, mein Lieblingsschurke:

Der Untertan.
Jener nämlich, der Macht über sich ergehen lässt
und aus lauter Naivität zum Handlanger von Maulhelden wird.

Es ist ein Geben und Nehmen.

........



Ist diese Beschreibung so richtig ?

Oder besser gefragt, gibt es heute noch Untertane?

Spießer und / oder Mitläufer sind ewas anderes.

Sozialisten auch. Aus meiner Sicht.


Ich hab den Film auch mal gesehen. - Ist aber auch nicht so leicht zu verstehen ...

Aber: Das war wirklich ein(e Art) Untertan. Nicht einfach Spießer. Nicht einfach Mitläufer. Auch nicht Sozialist.

Ich würde sagen: das war ein untertäniger Bürger. - Aber nicht alle Bürger sind so.

Zu welcher Zeit spielte der Film eigentlich?

Der passt nicht in den NS und auch gar nicht in den NL.

Cheops
15.07.2009, 22:14
Ich stimme Dir mal gnadenlos zu. Nur Spießbürger sind viele,
auch die, die nur maulen...

__

Die Fahne der Tyrannei ist treulos.
Wenn IHR euch besser fühlt, wenn das Kind "Sozialismus" heißt,
dann benennen WIR es eben um...

Wenn IHR Frieden wollt, dann bezeichnen WIR den Krieg eben als Terrorkampf oder Schweinegrippe oder Revolution.

Wenn IHR denkt, das Bush oder Merkel (oder ...) das ganze Problem sind,
dann feuern WIR ihn/sie eben. Und IHR bekommt schönere Götzen.

WIR machen was EUCH gefällt. Nur damit IHR EUCH gut fühlt. :irre:
Denn IHR macht uns ein komfortables Leben, wirklich komfortabel! :happy:
Vergesst 80% Staatsquote. Die 4/5 EURES fleißigen Daseins braucht IHR ja gar nicht. :p WIR kaufen EUCH geile Drogen (Medikamente/Versicherungspflicht) und leckeres Futter (McDonalds/Gentech) und versorgen EUCH auch noch mit Dummheit (Schulpflicht/TV...) und Gesetzen, "einer öffentlichen Meinung", den Käfig den wir alle begehren... ;) Wir haben uns zumindest vom Sozialismus vor 20 Jahren befreit und die dicken Renten beziehen die Sozialisten von damals nun ungerührt von einem System, was sie bis 1989 noch ihr Leben lang "feindlich" nannten!

oloool
15.07.2009, 22:19
Wir haben uns zumindest vom Sozialismus vor 20 Jahren befreit und die dicken Renten beziehen die Sozialisten von damals nun ungerührt von einem System, was sie bis 1989 noch ihr Leben lang "feindlich" nannten!



Ja sicher Cheops,

weil all diese "Systeme" die gleiche 'Mama' haben.

Cheops
15.07.2009, 23:48
Ja sicher Cheops,

weil all diese "Systeme" die gleiche 'Mama' haben. Die FDJ Sekretärin-Merkel wichtig gemacht haben erst westdeutsche Berufschristen, denn vorher kannte die keiner!

oloool
15.07.2009, 23:52
Die FDJ Sekretärin-Merkel wichtig gemacht haben erst westdeutsche Berufschristen, denn vorher kannte die keiner!

Oh, Cheops,

kannst Du das beweisen?

Behaupte nie, was nicht halbwegs beweisbar ist. ;-)

Cheops
15.07.2009, 23:58
Oh, Cheops,

kannst Du das beweisen? Was muss ich da beweisen? Kanntest du den Namen Merkel, bevor die Tante 2000 neue CDU Chefin (http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,72475,00.html) wurde? Ich nicht, denn die hat ja nicht mal gegen die SED demonstriert.

oloool
16.07.2009, 00:13
Was muss ich da beweisen? Kanntest du den Namen Merkel, bevor die Tante 2000 neue CDU Chefin (http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,72475,00.html) wurde? Ich nicht, denn die hat ja nicht mal gegen die SED demonstriert.

Nö, wer merkt sich in naiver Hoffnung schon ein Zwischenlurch von gestern?
Wir haben uns vielleicht alle blenden lassen?

Aber die Merkel ist dennoch nur Antwort.
Eine, ja, wie kann ich es denn höflich sagen?:
Irrelevante?

Cheops
16.07.2009, 00:19
Nö, wer merkt sich in naiver Hoffnung schon ein Zwischenlurch von gestern?
Wir haben uns vielleicht alle blenden lassen?

Aber die Merkel ist dennoch nur Antwort.
Eine, ja, wie kann ich es denn höflich sagen?:
Irrelevante? ja, die ist eine Folge. Eine Folge antrainierter Blindheit im Westen, denn im Osten wollte die kaum einer und schon gar nicht als Kanzlerin. Das hat Kohl, dem viele, zu viele, vertrauten, noch durchgedrückt und das wird auch sein dunkles Erbe bleiben! Ich war damals noch in der SPD und damit natürlicher Gegner solch fauler Seiteneinsteiger...

oloool
16.07.2009, 00:36
ja, die ist eine Folge. Eine Folge antrainierter Blindheit im Westen, denn im Osten wollte die kaum einer und schon gar nicht als Kanzlerin. Das hat Kohl, dem viele, zu viele, vertrauten, noch durchgedrückt und das wird auch sein dunkles Erbe bleiben! Ich war damals noch in der SPD und damit natürlicher Gegner solch fauler Seiteneinsteiger...

Die antrainierte Blindheit im Westen könntest Du ebenfalls mit Naivität und Unkenntnis im Osten identifizieren.

Doch all das bringt heute keinen "Cent" mehr. ;-)

Es geht weder um OST gegen WEST, oder RECHTS gegen LINKS, es geht nur um Kreativität, Lust, Motivation am Leben: wieder zu erschaffen, dieses Mal stehen wir nicht vor physischen Trümmern. Wir könnten jetzt die psychologischen Hinterlassenschaften eventuell mal bereinigen...?

Cheops
16.07.2009, 00:42
Die antrainierte Blindheit im Westen könntest Du ebenfalls mit Naivität und Unkenntnis im Osten identifizieren.

Doch all das bringt heute keinen "Cent" mehr. ;-)

Es geht weder um OST gegen WEST, oder RECHTS gegen LINKS, es geht nur um Kreativität, Lust, Motivation am Leben: wieder zu erschaffen, dieses Mal stehen wir nicht vor physischen Trümmern. Wir könnten jetzt die psychologischen Hinterlassenschaften eventuell mal bereinigen...? Es bringt mehr als nur Cents, denn in Merkels Amtszeit gab es zwei Erhöhungen der Bezüge für Politiker. 2005 und 2007. Ende 2008 konnten ihr Bürger und Medien gerade noch in den Arm fallen, als sie die dritte Erhöhung angehen wollte. Sowas gab es seit 1949 in keiner Legislatur vor ihr!

oloool
16.07.2009, 00:51
Es bringt mehr als nur Cents, denn in Merkels Amtszeit gab es zwei Erhöhungen der Bezüge für Politiker. 2005 und 2007. Ende 2008 konnten ihr Bürger und Medien gerade noch in den Arm fallen, als sie die dritte Erhöhung angehen wollte. Sowas gab es seit 1949 in keiner Legislatur vor ihr!

Das ist mir scheißegal! Und wenn es tausende Prozente wären!
Das ist denen ihr Produkt, das Geld, die können damit machen, was ich mit meinen Visitenkarten mache: Denn die gehören mir! Und der Euro gehört denen, begreift das endlich mal!

Die Dummköpfe sind diejenigen, die in dieses "Geld" Vertrauen haben!

Cheops
16.07.2009, 00:54
Das ist mir scheißegal! Und wenn es tausende Prozente wären!
Das ist denen ihr Produkt, das Geld, die können damit machen, was ich mit meinen Visitenkarten mache: Denn die gehören mir! Und der Euro gehört denen, begreift das endlich mal!

Die Dummköpfe sind diejenigen, die in dieses "Geld" Vertrauen haben! Die sollen Steuergelder und um die geht es dabei, nur nach bestem Gewissen verwalten, aber sich nicht in die Tasche stecken!

Beverly
18.07.2009, 11:56
(...)Die Fahne der Tyrannei ist treulos.(...)

Richtig! Es ist nicht "Unsere Ehre heißt Treue" oder dergleichen polit-romantischer Schmu und letztendlich laufen die Mitläufer nicht hinter "Deutschland" oder dem Sozialismus her, sondern nur hinter dem eigenem miesen kleinen Ego.

Beverly
18.07.2009, 12:16
Ist diese Beschreibung so richtig ?

Oder besser gefragt, gibt es heute noch Untertane?

Spießer und / oder Mitläufer sind ewas anderes.

Sozialisten auch. Aus meiner Sicht.


Ich hab den Film auch mal gesehen. - Ist aber auch nicht so leicht zu verstehen ...

Aber: Das war wirklich ein(e Art) Untertan. Nicht einfach Spießer. Nicht einfach Mitläufer. Auch nicht Sozialist.

Ich würde sagen: das war ein untertäniger Bürger. - Aber nicht alle Bürger sind so.

Zu welcher Zeit spielte der Film eigentlich?

Der passt nicht in den NS und auch gar nicht in den NL.

Die Ausprägung des "Untertans" ist von Epoche zu Epoche, Land zu Land und Klasse zu Klasse verschieden. Aber IMHO haben all diese Typen folgendes gemeinsam:
Konditionierung durch Erziehung, Schule und Propaganda wird verinnerlicht und führt zu Selbstkonditionierung.
Auch ohne unmittelbaren Zwang und Gewalt setzen sie in ihrem Umfeld die Interessen der Herrschenden durch.
Sie verinnerlichen die herrschenden Diskurse, entwickeln sie weiter und halten eine Herrschaft auch dann noch am Leben, wenn die "Zentrale" schon in Agonie liegt.
Ist die Zentrale der Herrschaft - Nazi-Führung 1945, DDR-Führung 1989 - definitiv exterminiert, sind sie Nährboden für die nächste Form repressiver Herrschaft: Die Regimes von Adenauer und Ulbricht nach 1949, Merkeldeutschland heute.

Ein Gegenstück zu Diederich Heßling ist Willy Loman in Tod eines Handlungsreisenden (http://de.wikipedia.org/wiki/Tod_eines_Handlungsreisenden). Obwohl Willy Loman als Vertreter einer weitaus niedrigeren sozialen Schicht angehört als der Bürger-Untertan Heßling und die USA einen anderen Herrschaftsdiskurs haben als das Deutsche Reich von 1871 ist Loman noch erschreckender als Heßling. Der Opportunist Heßling (wobei sein Opportunismus im Roman noch stärker als im Film zum Ausdruck kommt) vertritt ein System, das ihm nützt und das in Gestalt einer - wenn auch brüchigen und inkosistenten - "Reichsidee" und der Person des - wenn auch überforderten - Kaisers den Menschen aus Heßlings Schicht Ideen und Symbole anbot, um sich damit zu identifizieren.
Bei den USA kann ich außer einem rabiaten Billig-Patriotismus nichts erkennen, womit sich da einer identifzieren kann. Keine Symbole, keine Konzepte, Ideen und Visionen. Und Willy Loman zeigt uns da ein Leben, das für die einfachen Menschen aus ständigen Kleinkrieg und enttäuschten Hoffnungen besteht. Sein Tod, der nicht weniger sinnlos und barbarisch ist wie dier reichsdeutsche "Heldentod" ist das folgerichtige Ende seinen sinnlosen Leben. Und Loman hat sich bis zuletzt ein System schöngeredet, dem er gleichgültig ist und das ihm eigentlich hätte egal sein können! Heßling hat falsche Ideen und Symbole hochgehalten, Loman hat nach Ideen und Symbolen gesucht, wo es sie nicht gab. Bei Heßling war es das Hurra auf den Kaiser, Loman hat seinen Söhnen in einer Traumsequenz gesagt, dass man "beliebt" sein muss.

Beverly
18.07.2009, 12:18
Wir haben uns zumindest vom Sozialismus vor 20 Jahren befreit und die dicken Renten beziehen die Sozialisten von damals nun ungerührt von einem System, was sie bis 1989 noch ihr Leben lang "feindlich" nannten!

Ich habe zwei Freunde, die 1950 geboren sind. Der lebte im Westen und rechnet mit einer Rente von 550 Euro. Der andere lebte bis 1989 im Osten und rechnet mit einer Rente von ca. 900 Euro.

Beverly
18.07.2009, 12:19
Die FDJ Sekretärin-Merkel wichtig gemacht haben erst westdeutsche Berufschristen, denn vorher kannte die keiner!

da wächst nur zusammen, was schon immer zusammen gehörte