Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : ein traumatisierter Rechenmeister in Berlin


Der Neandertaler
05.08.2010, 08:55
Bevor das Jahr zu Ende geht, soll an einen Rechenmeister sowie an ein Ereignis erinnert werden.

Aber der Reihe nach:
Bald jährt mal wieder der Beginn des 2. Weltkrieges, welcher mit dem Beschuß des deutschen Linienschiffes Schleswig-Holstein auf die polnische „Westerplatte“ in Danzig begann.
Wir alle sollten in Demut diesem Datum gedenken. Nie wieder Krieg! Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach den Anschlägen auf das World-Trade-Center vom 11. September 2001, vollkommen traumatisiert, einen Kampfeinsatz an der Seite der USA im Irak befürwortet, im Gegensatz zu Gerhard Schroeder - einem ihrer Vorgänger. Dieser Zustand dämmert bis heute nach. Sie war der Meinung, daß Despoten nur die Sprache der Gewalt verstehen.Dann haben wir etwas falsch gemacht … wir hätten 'uns Angie' doch besser unterstützen sollen, in ihrem bewaffneten Kampf gegen Honecker.So ist es nur folgerichtig, daß der betagte, von uns hochgeschätzte, ehemalige Verteidigungsminister Herr Jung - im Falle Afghanistan nie von Krieg, lieber von einer Hilfsaktion redete. Damit folgt er einer Tradition, die schon Herr Struck begann."Deutschland wird am Hindukusch verteidigt."Begründet wurde es immer mit dem Hinweis:"Wir müssen den Terrorismus ausrotten, bevor er eines Tages zu uns kommt."
Müssen wir uns überhaupt verteidigen? … im Ausland? Herr Struck, die Terroristen sind schon unter uns - sie sitzen in Berlin.Herr Schäuble hatte es bereits verstanden, er wollte einen Bundeswehreinsatz auch im Inneren.Der jetzige Verteidigungsminister, der aalglatte, blaublütige Tanzbär Herr zu Guttenberg, hat nun mit der Tradition gebrochen und nennt es:"„... einen kriegsähnlichen Zustand!“immerhin! Schonmal ein Fortschritt. Manche sind also doch lernfähig.Wäre es allerdings nicht eine viel bessere Strategie, wenn wir mit diesem Geld, welches dort verschossen wird, und mit dem Personal, was dort erschossen wird, wenn wir damit den Leuten in ärmeren Ländern helfen würden?

Nun zu unserem Rechenmeister.
1550 hatte Adam Ries sein Werk:
"Rechenung nach der lenge/ auff den Linihen vnd Feder. "
Oft zitiert unter dem Kurztitel „Practica“heraus gebracht.
So manche gut durchdachte Rechnung wird seitdem vollbracht - auf der Suche nach der Wahrheit. Daß nach einer Wahl alle Parteien gewonnen haben, ist nicht seltsam. Gewonnen? – Ja! Zumindest an Erfahrung.Oder: Bei der vorletzten Bundestagswahl sprach die CDU davon - ehrlicher Weise!, sie wolle nach der Wahl die MwSt. um 2% erhöhen, die SPD war strickt dagegen, sie blieb bei 0%, nach der Wahl bildete man eine traumwandlerische Große Koalition, rechnete und kam, o Wunder, auf 3%.Dies ist große Politik, höhere Mathematik, da kommt ein Oberstudienrat nicht mit, geschweige denn ein Grundschüler.
Ein Hartz-IV-Empfänger braucht es garnicht erst versuchen … er kann mit einer MwSt.-Erhöhung nichts anfangen.Eine vollkommen andere Rechnung tat sich kürzlich auf:
Im Kriegsland Somalia gibt es zuwenig Polzisten, also sollten welche ausgebildet werden … so dachte man in Berlin. Gut, sie wachen auf, beginnen zu arbeiten. Nur scheinen sie das berühmte, schöne Spiel vergessen zu haben:
Beamtenmikkado – wer sich zuerst bewegt, hat verloren.Aber weiter:
Deutschland stellte Gelder für die Ausbildung von etwa 1000 Polizisten zur Verfügung. Für diese Ausbildung wurde ein höher entwickeltes Land in Afrika gesucht … und gefunden: Athopien.Allerdings sind diese gut ausgebildeten Polizisten nach ihrer Ausbildung verschwunden; jedenfalls sind sie nie im Armenland Somalia aufgetaucht.
Berliner Diplomaten und Rechenkünstler gingen vielleicht davon aus, daß man mit den horrenden Geldern, die dafür nach Äthiopien flossen, daß man dadurch Athopien von weiteren Kriegshandlungen in Somalia abhalten kann – Athopien ist eine der Kriegsparteien, die in Somalia involviert sind.
Letztlich hatte man aber vergessen, daß der somalische Staat arm ist und seine Bediendstete kaum bezahlen kann. Somit dürften die an hochtechnischem Gerät gut ausgebildeten Polizisten bei einer Einheit der dortigen Kriegsparteien angeheuert haben; diese können sie wenigstens bezahlen. Armut beseitigt… auch ein Erfolg!Hoffentlich haben sie mit der Soldaten-Ausbildung in Uganda genauso'n Glück.

Wenn Adam Ries wüßte, daß sich gut ausgebildete Parlamentarier so verrechnen können, … er hätte sich dies alles sparen können … zumindest sein Buch.

Man sollte unseren Müttern und Vätern des Grundgesetzes für eine fortschrittliche und vorausdenkende Verfassung danken, für eine Verfassung, die in Teilen recht weitreichend und gerecht ist. Eine Verfassung, in der etwa sinngemäß steht, daß von Deutschland nie wieder ein Krieg ausgehen darf, die Verfasser haben aber vergessen daraufhinzuweisen, daß von nicht mit heißt. Besonders ist dort nicht's von einer Einschränkung der Bezahlung einer solchen Handlung zu lesen.

Britta
05.08.2010, 09:24
Guten Morgen Neandertaler,

Dann haben wir etwas falsch gemacht … wir hätten 'uns Angie' doch besser unterstützen sollen, in ihrem bewaffneten Kampf gegen Honecker.

Danke für den Lacher. :p

[
Man sollte unseren Müttern und Vätern des Grundgesetzes für eine fortschrittliche und vorausdenkende Verfassung danken, für eine Verfassung, die in Teilen recht weitreichend und gerecht ist. Eine Verfassung, in der etwa sinngemäß steht, daß von Deutschland nie wieder ein Krieg ausgehen darf, die Verfasser haben aber vergessen daraufhinzuweisen, daß von nicht mit heißt. Besonders ist dort nicht's von einer Einschränkung der Bezahlung einer solchen Handlung zu lesen.

Lange hieß es, wir wären nicht im Krieg, es wäre ein Hilfseinsatz. Dann waren es kriegsähnliche Zustände und es hat lange gedauert, bis die Politiker endlich zugaben, dass es ein Krieg ist.

Jetzt sind noch viel mehr Details durch Wikileaks bekannt. Nur, wo bleibt der Aufschrei?

Die Menschen bekommen die Wahrheit nur in kleinen Dosen verabreicht und über einen langen Zeitraum verteilt. Was hätte die volle Wahrheit am Stück vor ein paar Jahren bewirkt? Warum bewirkt es jetzt nichts mehr?

otix_
05.08.2010, 15:48
Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach den Anschlägen auf das World-Trade-Center vom 11. September 2001, vollkommen traumatisiert, einen Kampfeinsatz an der Seite der USA im Irak befürwortet, [...]

Die ist bekannt für ihr hysterisches Gebahren (natürlich nur wenns der Klientel nutzt). Mit Beginn der Finanzkrise schrie sie und ihre Partei auch lauthals nach einer Regulierung der Finanzmärkte. Geschehen ist da bis heute nichts. Dafür werden wieder Aufschwünge ohne Ende verkündet, in der Hoffnung dass die Leut vergessen.

Man sollte unseren Müttern und Vätern des Grundgesetzes für eine fortschrittliche und vorausdenkende Verfassung danken, für eine Verfassung, die in Teilen recht weitreichend und gerecht ist.

Ja das ist sie wohl, aber nur wenn da nicht permanent daran rumgeschraubt wird. Das GG ist nämlich eigentlich als zwischenmenschliches Verhaltenskodex gedacht und nicht dafür gemacht juristisch ausgehöhlt zu werden.

Der Neandertaler
06.08.2010, 07:28
Guten Morgen liebe Britta.Nur, wo bleibt der Aufschrei?
Er bleibt den Leuten im Halse stecken.
Im Ernst:
Wer sollte aufschreien?
Wer macht sich heutzutage noch die Mühe, sich Informationen zusammenzusuchen?
Warum sollte man sich auch dieser Prozedur unterwerfen, wenn man doch alles mundgerecht serviert bekommt?

Hier muß auch einem Teil unserer Medien ein Vorwurf gemacht werden. Zumindest denen, welche sich die Bildung der Bevölkerung auf die Fahnen geschrieben haben ... respektive, auf den Bildschirm oder in die Blätter. Sie hauen lieber in großen Lettern auf Hartz-IV-Empfänger ein. Sie prangern angeblichen Sozialmisbrauch an. Etwa Florida-Rolf.
Es soll jetzt nicht überheblich sein, aber ich vermute, kaum einer wird die Meldung der verschwundene Polizisten gelesen haben ... stand ja auch nicht in der BILD. Da kann man mal sehen, daß man auch mit den öffentlich-rechtlichen Medien gut informiert sein kann.
Da werden Steuergelder verschwendet.
Oder nimm die ASSE-II:
Jahrelang wurde von den AKW-Betreibern kostenlos eingelagert - erst ab 1976 wurden Gebühren erhoben ... in geringem Maße.
Die Sanierung wird den Steuerzahler weitere Millionen kosten ... auf Jahre hinaus.
Da wird Geld verbuddelt ... mehr, als jeder angebliche Sozialmisbrauch.