Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Bericht eines israelischen Arztes zur Situation in Gaza


Iphigenie
17.02.2009, 12:36
:: Hi @all
::
:: anbei der Bericht eines israelischen Arztes über die Situation in
:: Gaza mit Spendenhinweis
::
:: gruß Iphi:)

::
:::
::
::
::: Von: medico Jerusalem <ho-jlem@medico.de>
:::: Datum: 3. Februar 2009 17:40:02 MEZ
:::: An: medico Jerusalem <ho-jlem@medico.de>
:::: Betreff: "Weit und breit ist alles kaputt" - Bericht zu Gaza
::::
:::: Sehr geehrte Damen & Herren, liebe Freunde & Kollegen,
::::
:::: anbei ein Bericht über die jetzige Lage im Gazastreifen aus der
:::: Sicht von medico und seinen Partnern. Die Weiterleitung,
:::: Verbreitung und Veröffentlichung dieses Berichts ist erlaubt und
:::: erwünscht. Vielen Dank auch im Namen unserer Partner für die
:::: kräftige Unterstützung in Wort und Tat, die uns in diesen
:::: deprimierenden Tagen viel Kraft gegeben hat.
::::
:::: Beste Grüße aus Jerusalem
::::
:::: Tsafrir Cohen
:::: Representative in Palestine & Israel
:::: medico international e.V.
:::: 8, Mount of Olives Rd., Sheikh Jarrah
:::: POBox 558
:::: 91004 Jerusalem
:::: Tel. ++972 +2 5815576
:::: Mobile ++972 +54 6539790
:::: www.medico.de
::::
:::: "Weit und breit ist alles kaputt"
::::
:::: Update 3.2.09: Nothilfe im Gazastreifen
::::
:::: Die israelischen und palästinensischen medico-Partnerorganisationen
:::: führen ihr Nothilfeprogramm im Gazastreifen fort. Die
:::: ???Palestinian Medical Relief Society??? versorgt Verletzte in
:::: ihren Kliniken und verteilt Decken, Matratzen und Wasser. Die
:::: ???Ärzte für Menschenrechte ??? Israel??? schicken notwendige
:::: Medikamente. Darüber hinaus unterstützen mehrere israelische Ärzte
:::: ihre
:::: palästinensischen Kollegen in Gaza. medico international
:::: unterstützte die Nothilfe seiner Partnerorganisationen für den
:::: Gazastreifen bisher mit 174.000 Euro.
:::: Palestinian Medical Relief Society (PMRS)
::::
:::: Täglich entdecken die Mitarbeiter des medico-Partners Palestinian
:::: Medical Relief Society (PMRS) neue menschliche Tragödien. ???Wir
:::: hören täglich von Verwundeten, die in und außerhalb von Gaza trotz
:::: der weltweiten Hilfsaktionen an ihren Verletzungen sterben. Viele
:::: Hunderte von Menschen werden noch immer vermisst. Ihre Familien
:::: leben in Ungewissheit, ob diese noch immer unter den Trümmern
:::: begraben liegen, oder ob sie in israelische Gefangenschaft geraten
:::: sind. Immer wieder finden wir Familien, die ohne Hab und Gut vor
:::: ihren Häusern kauern und sich in einer Art Schockstarre
:::: befinden???, berichtet der Direktor des PMRS-Nothilfeprogramms Dr.
:::: Aed Yaghi.
::::
:::: Die vier Basisgesundheitskliniken der PMRS sind wieder voll
:::: funktionsfähig: Sie empfangen täglich Hunderte von Patienten. Die
:::: Klinik in Jabalia ist nach wie vor 24 Stunden am Tag geöffnet.
:::: Sozialarbeiterinnen besuchen eine Familie nach der anderen, um den
:::: jeweiligen Bedarf zu ermitteln und die entsprechenden Stellen ???
:::: die Physiotherapeuten oder die Ärzte der PMRS bzw. die Behörden -
:::: zu informieren. Sie verteilen Decken, Matratzen, Wasser und prüfen,
:::: welche Familie besondere psychologische oder materielle
:::: Unterstützung benötigt.
::::
:::: Die mobilen Kliniken fahren täglich in die am schwersten zerstörten
:::: Orte, um möglichst viele Menschen zu erreichen und niemand seinem
:::: Schicksal zu überlassen. Sie stehen vor einer riesigen Aufgabe:
:::: ???Jeder bedarf Hilfe und auch wir selbst ??? mit all unserer
:::: Erfahrung - stehen manchmal ohnmächtig da und hoffen, dass uns
:::: persönlich
:::: jemand zu Hilfe käme.???
::::
:::: Ärzte für Menschenrechte ??? Israel (PHR-IL)
::::
:::: Die Ärzte für Menschenrechte ??? Israel (PHR-IL) schicken
:::: notwendige Medikamente und andere medizinische Hilfsgüter nach
:::: Gaza. Darüber hinaus konnten sie mehrere israelische
:::: Ärztedelegationen nach Gaza senden. Leider verbieten die
:::: israelischen Behörden die Einreise jüdischer Ärzte, sodass nur
:::: arabisch-palästinensische Israelis an diesen Missionen teilnehmen
:::: können. ???Ganze Bezirke sind ausradiert worden. Es war
:::: unerträglich, sich das anzuschauen, aber wir werden zurückkehren.
:::: Unsere Ärztedelegationen müssen helfen, wo sie nur können, etwa
:::: bei Operationen in den Krankenhäusern???, sagt Dr. Salah Hajj
:::: Yihyeh von PHR-IL. ???Das Gesundheitssystem von Gaza ist einfach
:::: nicht in der Lage, die Bevölkerung selbstständig zu versorgen,
:::: während die Blockade fortgeführt wird. Das ist auch unsere Art,
:::: Solidarität zu zeigen.???
::::
:::: Trümmerfelder
::::
:::: Um sich einen Überblick über das Ausmaß der Zerstörungen und den
:::: weiteren medizinischen Bedarf zu verschaffen, ist zurzeit der
:::: deutsche Arzt Dr. Ralf Syring für medico international im
:::: Gazastreifen tätig. Er berichtet: ???Es gibt zwei Arten von
:::: Zerstörungen. Zum einen die gezielte Zerstörung von ganz bestimmten
:::: Gebäuden. Zum anderen die Zerstörungen, dort wo Bodentruppen
:::: vordrangen. Die israelischen Panzer haben dort einfach alles
:::: niedergewalzt - auch Hühnerfarmen, Häuser, landwirtschaftliche und
:::: zivile Infrastruktur. Weit und breit ist alles kaputt. Ein paar
:::: verbrannte Häuser stehen noch inmitten einer Mondlandschaft. Bei
:::: solchen Angriffen wurden auch sehr viele unbeteiligte Menschen
:::: getötet.???
::::
:::: Ein Großteil der Industrieanlagen und der landwirtschaftlichen
:::: Betriebe wurden zerstört. Darüber hinaus wurden Schulen,
:::: Krankenhäuser, Kliniken, Wasser-, Abwasser- und
:::: Elektrizitätsinfrastruktur, sowie andere öffentliche Gebäude zum
:::: Teil schwer beschädigt. Diese müssen dringend repariert werden. Die
:::: Einfuhr von Gütern, wie Zement, Eisen, Röhren oder Ersatzteile wird
:::: jedoch fast komplett verhindert. Seit Beginn der Waffenruhe dürfen
:::: nur durchschnittlich 135 LKW-Ladungen täglich die israelischen
:::: Grenzübergänge in den Gazastreifen passieren. Um den unmittelbaren
:::: Bedarf zu decken, wären laut UN jedoch mindestens 500 LKW-
:::: Lieferungen täglich nötig. Der Zugang von humanitärem Personal hat
:::: sich seit dem 23. Januar verbessert, erreicht aber noch nicht den
:::: notwendigen Umfang.
::::
:::: Kritik an israelischer Blockade des Gazastreifens
::::
:::: medico international fordert zusammen mit seinen
:::: Partnerorganisationen PMRS und PHR-IL die Aufhebung der Blockade
:::: des Gazastreifens. Der Repräsentant von medico international in
:::: Jerusalem, Tsafrir Cohen, erklärt: ???Die seit anderthalb Jahren
:::: andauernde Blockade hat zum Zusammenbruch des wirtschaftlichen und
:::: sozialen Lebens im Gazastreifen beigetragen und den Konflikt
:::: angeheizt. Eine weitere Eskalation der Gewalt ist nur mit einer
:::: politischen Lösung aufzuhalten, die für die Bewohner des
:::: Gazastreifens auch in einer schnellen Verbesserung des
:::: Alltagslebens sichtbar wird. Die Aufhebung der Blockade wäre ein
:::: solches sichtbares Zeichen.??? medico international ruft deshalb
:::: die deutsche Bundesregierung und die EU dazu auf, mit Israel und
:::: den palästinensischen Konfliktparteien zusammenzuarbeiten, um ein
:::: Ende der Blockade herbeizuführen.
::::
:::: Spendenaufruf
::::
:::: Für die Wiederherstellung der medizinischen Grundversorgung und
:::: langfristige Rehabilitationsmaßnahmen werden weitere Spenden
:::: benötigt:
::::
:::: Spendenkonto: medico international
:::: Frankfurter Sparkasse
:::: Kontonummer 1800
:::: BLZ 500 502 01
:::: Stichwort: ???Palästina???